Andere Reisen


Von Pärnu nach Majaka

Wir setzen den Weg nach Süden fort. Das Wetter – kalt, stürmischer Gegenwind, Regen – kennen wir ja schon, mir fällt dazu nichts Neues mehr ein. Der Anfang des Europaradweges verläuft am schmalen Randstreifen einer mit Schwerlastern stark befahrenen Landstraße. Die vorbeirasenden Monster hüllen uns in eine Wolke aus feuchtem Straßendreck ein.

Erst nach etwa 40 Kilometern wird es genüsslich: Wir dürfen bei Häädemeeste von der verkehrsreichen Landstraße auf einen ruhigen Parallelweg wechseln. Um unsere Freude zu steigern hört es auf zu regnen, und sogar die Sonne erbarmt sich unser mit ihrer gütigen Wärme. Ab und zu bekommen wir rechts einen kurzen Blick auf das Meer, das allerdings auch beim Sonnenschein und blauen Himmel seine schmutziggraue Farbe behält.

Beim Majaka nehmen wir unser letztes Quartier in Estland. Es ist eine im Wald eingebettete Ferienanlage an der Sandküste, jedes Zimmer hat ihr eigenes Badezimmer, sogar Handtücher bekommen wir gestellt, was in dieser Preisklasse – „nur“ 45 € – ungewöhnlich ist. Das Haus ist frisch renoviert, es gibt eine Rezeption mit Englisch sprechendem Personal.

Und jetzt zu der Möblierung von Zimmer und Bad. Sie besteht aus zwei Betten und aus zwei kleinen Nachtischen. Sonst nichts. Kein Schrank, kein Tisch, kein Stuhl, nirgendwo ein Haken oder auch nur ein in die Wand geschlagener Nagel, an dem wir die nassen Handtücher aufhängen könnten, keine Ablage für irgend etwas, nichts, nichts, nichts. Danach wundern wir uns nicht mehr darüber, dass auch das Badezimmerfenster sich nicht öffnen lässt, da die Handwerker die Schiene für die teuere Jalousie zu tief angebracht haben.

Wenn der Wind nachlässt, kommen die Mücken zum Einsatz. Es ist fast unmöglich, alle dieser Biester aus dem Zimmer auszusperren. Wenn sie sich vollgesaugt haben, sitzen sie dick und zufrieden an den weißen Wänden, wo sie – mangels Zimmereinrichtung – leicht erreichbar sind. Wenn man sie jetzt totschlägt, hinterlassen sie eine richtige Blutlache. Aber keine Sorge, die Tapeten sind abwaschbar. Praktisch, so was.

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In der Bar ist eine tolle Speisekarte ausgelegt, aber nichts, was wir davon bestellen wollen, ist auch zu bekommen. Wir werden auf die 3 Kilometer entfernte Konkurrenz hingewiesen. Ich finde das nicht witzig, da es wieder Mal regnet, aber dann fahren wir doch hin. Eine gute Entscheidung: Dieses Abendessen ist das beste, was wir im Estland genießen durften.

Merkwürdig: Das Meer, das beim blauen Himmel sich graubraun zeigte, bekommt am Abend beim gedeckten Himmel eine milchig-weiße, leuchtende Farbe.