Andere Reisen

Von Limbaži nach Krimulda

Frühstück bekommen wir im Büfett in einem Supermarkt. Die junge Frau fragt, woher und wohin, und als sie hört, das wir nach Sigulda wollen, verklärt sich ihr Blick, als sie sagt: „A wonderful city!“

Das Wetter ist ideal, sonnig, mild. Und – es ist kaum zu glauben – wir haben wieder Rückenwind! Die Landstraße ist kaum befahren, sie schmiegt sich an den Auf und Ab der sanften Hügel an. Ein schönes, friedliches Bauernland, nicht spektakulär, aber angenehm gefällig.

Es ist ein tiefes, schluchtartiges Tal, das sich der Fluss Gauja ins Hochplateau gegraben hat. Oben am jenseitigen Rand dieses Tales liegt Sigulda, die uns als „wundervoll“ empfohlen wurde. An unserer Seite befindet sich Krimulda, bestehend aus einigen Häusern, aus einem Krankenhaus, einem klassizistischen Schloss, sowie aus einer schönen Parkanlage. Sigulda und Krimulda sind über dem tiefen Tal mit einer Kabinenseilbahn miteinander verbunden. Wir nehmen eine Unterkunft in Krimulda, und wollen Sigulda später mit der Seilbahn besuchen.

Die besagte Unterkunft ist in einem Rehabilitationszentrum, das in Räumen des Schlosses eingerichtet ist. Die Zimmer für Übernachtungsgäste sind allerdings nicht im Schlossgebäude, sondern gegenüber in einem hölzernen Pavillon, das den Hofgarten halbkreisförmig abschließt. Der auf die Badearchitektur erinnernde langgestreckte Bau ist nostalgisch gefällig, erst beim Näherkommen entdeckt man, dass die Ausführung und die Erhaltungszustand eher die einer Gartenlaube oder eines Geräteschuppens ist.

Unser Wohnteil besteht aus zwei Räumen: Eine Veranda mit Glasfront zum Schloss, dahinter ein Schlafraum. Als wir dieses Schlafzimmer betreten, ist uns schwindlig, obwohl wir so früh am Nachmittag noch keinen Alkohol getrunken haben. Dieses Gefühl wird von einem kleinen Baufehler verursacht, in dem einer der Zimmerecken etwa 25 cm tiefer liegt als die gegenüber liegende. Das Zimmer bietet aber auch Vertrautes: Die Häkelgardinen sind mit Pumuckel gemustert. Es gibt in diesem Rondell etwa zwanzig solche Abteile. Unsere trägt die Nummer 12.

Nachdem wir uns vom Staub befreit und etwas ausgeruht haben, wollen wir hinüber nach Sigulda. Bei dem Versuch, unser Appartement abzuschließen, stellen wir fest, dass das Türschloss kaputt ist. Wir holen die herumschwirrende Putzfrau. Sie tut überrascht, obwohl wir jetzt entdecken, dass fast keiner der Schlösser funktioniert, und an den anderen Türen überall Hängeschlösser angebracht sind.
Die Chefin des Schlosses wird geholt. Sie lässt den Hausmeister holen. Der Hausmeister kann niemanden holen lassen, so schaut er selbst nach, um bald zu verkünden: Das Schloss ist kaputt. Es muss ausgewechselt werden.

Das kann allerdings etwas dauern, er hat kein Ersatzschloss, das muss er erst besorgen.
Das Leben ist kurz und wir wollen es nicht mit Warten auf das Schloss vergeuden. So dürfen wir in die Wohnung Nr. 11 umziehen, die hat ein Hängeschloss. Gesagt, getan. Dann aber entdeckt die Chefin, dass wir die Tür jetzt von außen abschließen können, aber der Riegel, mit dem wir die Tür von innen absperren können, ist abhanden gekommen.

Wir sagen, – wohl naiver Weise – dass wir nachts ja da sind und die Tür nicht unbedingt absperren brauchen, aber wir werden aufgeklärt, dass dies hier absolut leichtsinnig wäre. So ziehen wir weiter in die Wohnung Nr. 13, wo wir die Tür von innen und außen absperren können. Hier fehlen aber die Betten. Wir können dort die Räder und das Gepäck abstellen, bis in Nr. 13 der Hausmeister das Schloss repariert.

Inzwischen ist es spät geworden, 18 Uhr. Wir laufen zur Seilbahn und setzen nach Sigulda hinüber. Dabei wird uns mitgeteilt, dass die letzte Bahn zurück in einer Stunde startet. Eine Stunde ist etwas knapp für eine wunderbare Stadt und für Abendessen in einem hoffentlich schnell zu findenden Restaurant.

In Sigulda angekommen finden wir eine schöne, lockere Parklandschaft, viele Plattenbauten, aber eine Stadt, geschweige eine wunderbare finden wir nicht. Es gibt allerdings ein Informationsbüro, wo wir zweierlei erfahren. Erstens: Nicht so sehr die Stadt selbst, sondern vielmehr die Umgebung, das Gauja National Park mit seinen Burgen, Schlössern, Höhlen und Wäldern ist sehenswert. Und zweitens: Wir können anstelle der Seilbahn den Bus nehmen, das immerhin bis 20.15 verkehrt. So bekommen wir von den Sehenswürdigkeiten zwar nur wenig mit, aber das Abendessen schaffen wir gerade noch.

Zurück zu unserer Unterkunft finden wir einen Zettel, der besagt, dass das Schloss repariert ist und um 21 Uhr bringt uns jemand den Schlüssel vorbei. Und tatsächlich: Nur mit einer Stunde Verspätung können wir das Zimmer um 10 Uhr betreten, und nach einem letzten Umzug uns zur Ruhe begeben.

Am Abend zieht es rasch zu, aber es regnet nur einige Tropfen.