Andere Reisen

Von Skaistkalne nach Kupiškis

Auch das Frühstück ist einfach kolossal, sowohl was die Güte als auch was die Menge betrifft: Selbstgemachte Wurst, Omelett mit Käse, Salate, einfach überwältigend!

So gestärkt machen wir uns auf den Weg. Nachts hat es geregnet, es ist noch grau, aber am Tag soll es besser werden.

Vor der Memelbrücke an der Grenze werden wir von der adretten lettischen Grenzpolizistin mit freundlichem Lächeln verabschiedet. In der Brückenmitte zwischen den zwei Ländern bleiben wir stehen, um von dem Fluss Fotos zu machen. Und dann passiert’s! Die eben noch

freundliche Beamtin kommt wild gestikulierend und schreiend auf uns zugerannt: Fotografieren ist strengstens verboten! Ganz wie in Sowjetzeiten! Lesen die denn hier keine Zeitung? Sonst müssten sie doch mitgekriegt haben, dass sowohl Lettland als auch Litauen Mitglied der Nato und EU geworden sind, und von den Nachbarn keine Angriffe mehr zu erwarten sind. Abgesehen davon, dass ich beim besten Willen mir nicht vorstellen kann, wie ich mit meinem Amateurbild jemandem schaden könnte?!

Das Land ist weiterhin bäuerlich. Viel Raps, der hier erst jetzt Mitte Juli anfängt zu blühen, aber auch grüne Weizen- und Gerstenfelder begleiten uns. Neben Holzhäusern sehen wir vermehrt Bauten aus rötlichem Lehm. Das Land ist wieder flach geworden, die Straße verläuft manchmal kilometerlang schnurgerade.

Biržai ist eine typische Provinzstadt, idyllisch und verschlafen. Es liegt am Ufer eines malerischen Sees, wo auch ein gräflicher Schloss aus dem 16. Jahrhundert und die Reste einer alten Festung sich befinden. Auch einen Geldautomaten finden wir, wo wir hiesige Währung – Litas – bekommen.

Wir setzen den Weg nach Kupiškis fort, wo die nächste Gelegenheit zum Übernachten sich bietet. Je südlicher wir kommen, um so dichter ist das Land besiedelt. Hier sieht man schon mal eine Kirche oder ein hölzernes, meist großes und reich beschnitztes Wegekreuz. Die Friedhöfe haben manchmal keinen Zaun, aber immer ein aufwendig gestaltetes Tor.

Um uns erstreckt sich nach wie vor Bauernland, dunkle, rotbraune Kühe, neugierige Ziegen und gar nicht scheue Störche schauen uns beim Vorbeifahren nach. Das Wetter ist wie Sahne, sonnig und warm, und der Wind weht leise von Achtern.

In guter Stimmung kommen wir nach Kupiškis. Auch diese ist eine hauptsächlich aus ebenerdigen Holzhäusern bestehende Kleinstadt, die von einer unpassend großen, aus rotem Ziegelstein erbauten zweitürmigen Kirche überragt wird.

An dem Hauptplatz, wo in einem großen Wasserbecken aus Hunderten von Röhren das Wasser springt, steht unser Hotel, ein sozialistischer Plattenbau. Das Zimmer ist eigentlich eine Suite, bestehend aus einem Vorraum, wo wir unsere Räder deponieren können, aus einem Wohn- und einem Schlafzimmer, sowie aus einem schönen Bad. Es gibt sogar ein TV, mit dem man allerdings nur ein einziges Programm empfangen kann. Der einzige Haken in dieser Geschichte: Der Warmwasserboiler ist hin, und wird angeblich erst in drei Tagen repariert. Dafür bringt uns die Wirtin, eine ältere Dame, einen Tauchsieder, damit wir uns Tee kochen können. Als wir uns dafür bedanken, aber sagen, dass wir keinen Tee kochen, weil wir keinen haben, bringt sie uns ein Tablett mit komplettem Teegeschirr, Teebeutel und selbstgemachten Lebkuchen.

Wir machen eine kurze Besichtigung der Stadt. Es dauert nicht lange, viel ist ja nicht zu sehen, außer vielleicht die vielen modernen Plastiken, die überall zu sehen sind, nicht nur an den Plätzen und Straßen, sondern auch vor öffentlichen Bauten und Bushaltestellen. Auch das Eingangstor zum benachbarten Restaurant, wo wir am Abend essen, ist etwas unverständlich mit einer Statue des Handelsgottes Merkur geschmückt.