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Von Kupiškis nach Anykščiai

In der Frühe suchen wir ein Cafe. Wir werden auf das Restaurant hingewiesen, wo wir am Abend waren. Das Lokal wird – wie auch die Geschäfte – erst um 10 Uhr geöffnet, wir warten, da wir nicht wissen, wo auf dem weiteren Weg die nächste Gelegenheit besteht etwas zu bekommen. Dann die Enttäuschung: Kaffee gibt es, aber sonst können wir nur von der Speisekarte, die wir am Abend hatten, etwas bestellen. Sonst gibt es nichts, kein Stück Brot mit Butter, ja nicht einmal eine Tüte Kartoffelchips. Da wir nicht gewohnt sind, zum Morgenkaffee Schweinsbraten zu verzehren, belassen wir es beim Kaffee ohne. Anschließend bekommen wir in dem Supermarkt nebenan Salzgebäck, alt und staubtrocken, aber immerhin etwas.

Allmählich wird es wieder hügelig. Es sind kurze, aber recht steile Erhebungen, über die man die Straße ohne Erdarbeiten, wie ein Teppichstreifen ausgelegt hat. Sonst, wie gehabt: Ein wenig Wald, Acker, Wiesen, Kühe, Störche. Es ist richtig warm geworden; am Nachmittag sogar heiß.

In Anykščiai gibt es ein Touristenbüro. Der Mensch, der uns dort sichtlich lustlos empfängt, ist von ausgeprägter Inkompetenz. Wenn einer, der Reisende beraten soll und angeblich Englisch spricht, mit dem Wort „map“ nichts anfangen kann, dass soll schon etwas heißen. Zum Übernachten empfiehlt er uns ein etwas außerhalb der Stadt liegendes Touristencenter.

Was wir dort vorfinden, ist ein riesiger Hotelkomplex, in vermeintlich moderner Bauweise hergestellt. Alles, was ein gutes Hotel braucht, ist vorhanden: Cafe, Restaurant, Swimmingpool, Internet, Rezeption mit dunkel gekleideten Empfangsdamen, die gut Englisch sprechen, Hotelboys. Nur Gäste, die sehen wir keine.

Es gibt Doppelzimmer für 55 €, und als wir diesen Preis für Anykščiai unangemessen hoch finden, dann gibt es wieder einfachere für die Hälfte.

Da wir beim Durchfahren der Stadt schon alles Sehenswerte gesehen haben, bleiben wir am Nachmittag im Hotel. Einen Gast bekommen wir auch später nicht zu sehen. Ein junger Mann steht stundenlang am Eingang um die Tür zu halten, wenn jemand käme. Es kommt aber niemand.

Das Abendbrot nehmen wir am Pool. Es ist das erste Mal dieser Reise, dass die Gerichte negativ ausfallen, geschmacklos, lieblos hergerichtet und für hiesige Verhältnisse überteuert. Zwischendurch müssen wir immer wieder ängstlich zusammenzucken, da die Kunststoffassade des Hotels mit dem Verschwinden der Sonnenstrahlen abkühlt und gewährschussartige Knallgeräusche von sich gibt.

Als architektonische Spielerei hat unser kleines Zimmer eine schräge Decke, die an einer Seite auf etwa 5 m hoch steigt. Just hier oben befindet sich das einzige Fenster des Raumes. Da solche Fenster von unten nicht zu erreichen sind, werden sie in der Regel entweder mit einer langen Gelenkgestänge versehen, oder aber sie sind nicht zu öffnen. In diesem Fall muss die Belüftung anders gelöst werden. Hier hat man eine dritte Variante praktiziert: Oben ist ein ganz normales Fenster, das man mit der Hand zu öffnen ist. Das ist ganz einfach, vorausgesetzt, man hat eine Armlänge von mindestens vier Meter.

Wer plant so was? Wer genehmigt so was? Wer investiert in so einen Irrsinn und warum? Und wer hat dieses sinnlose und minderwertige Monstrum letztendlich bezahlt? Ich denke, mit der Mitgliedschaft des Landes in der EU wird solchen Großtaten noch weiteren Vorschub geleistet!