Andere Reisen

Von Olsztyn nach Ostróda

Der Irrsinn mit der Straße geht weiter. Am Anfang gibt es eine kilometerlange Großbaustelle, wo wir die schmale Spur mit allem teilen müssen, was sich bewegt. Später erreichen wir die Stelle, wo die Straße schon fertig gestellt ist. Die Fahrbahn ist breit, auch eine breite Seitenspur steht uns zur Verfügung, dafür passieren uns die Autos zwar mit ausreichendem Abstand, aber in Renntempo. Schließlich aber kehren die gewöhnlichen Verhältnisse zurück mit den schmalen Spuren ohne Randstreifen, dazu ein immer dichter werdende, tobende Sonntagsverkehr. So bietet sich uns die Gelegenheit, die Psychologie des Radfahrens auf solchen Straßen zu studieren.

Wenn wir aus Angst oder Rücksichtsnahme uns ganz auf den Straßenrand begeben, dann sind wir für die Autofahrer Luft, überhaupt nicht vorhanden. Die überholen uns in Berührungsabstand mit Hundert, und auch der Gegenverkehr kommt beim Überholen uns fröhlich entgegen so, als wenn sie uns gar nicht sehen würden. Wenn wir aber in mindestens einem Meter Abstand zum Straßenrand fahren, dann werden wir als Verkehrsteilnehmer akzeptiert und nur überholt, wenn der Gegenverkehr es erlaubt. Fazit: Wir sollen, wo es möglich ist, solche Straßen meiden. Wenn wir aber diese Wege befahren, dann müssen wir uns sichtbar machen, präsent sein.

Ja, das ist die verifizierbare Regel. Es gibt allerdings immer wieder Individuen, denen es sichtlich Spaß macht, Schwächeren zu erschrecken. Ich fühle mich normalerweise dem Humanismus verpflichtet und bin selbstredend gegen die Todesstrafe, aber bei diesen Verbrechern könnte ich ins Wanken kommen.

Noch eins: Auch wenn es geht, auf solchen Straßen zu fahren ist bestimmt keine Freude. Man ist voll auf den Asphalt und Verkehr konzentriert, von der Umgebung kriegt man kaum was mit. Wie ist heute die Landschaft gewesen? Welche Landschaft?

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Ostróda, eine Stadt mit immerhin 35000 Einwohnern, wurde im Krieg so fürchterlich zerstört, dass ein Besuch nur mit der schönen Umgebung begründet werden kann. Außerdem befindet sich zwischen Ostróda und Elbląg eine der interessantesten technischen Baudenkmäler der Welt, der Oberländer Kanal, heute Ostróda-Elbląg-Kanal genannt.

Die Gewässer der Masurischen Seeplatte wurden in früheren Jahrhunderten als Verkehrswege genutzt und für diesen Zweck durch Kanäle miteinander verbunden. In dem frühen 19. Jahrhundert entstand der Wunsch, die Seen mit dem Frischen Haff und Ostsee zu verbinden, um das reiche Holzvorkommen Masurens besser vermarkten zu können. Da die Seen über hundert Meter höher liegen, als

das Meer, wären zum Überwinden dieses Höhenunter-schieds nach der damaligen Technik 15 bis 20 Schleusen erforderlich gewesen, was zwar technisch möglich, aber unwirtschaftlich war. So blieb es lange Zeit bei dem Wunsch.

1825 hat ein holländischer Ingenieur, Jakob Georg Steenke, Pläne vorgelegt, die eine völlig neue Lösung vorsahen. An Stelle von Schleusen hat er den Bau von Rampen vorgeschlagen, an denen die Schiffe mit Hilfe von Schienen und Transportwagen hochgezogen bzw. herunter gelassen werden. Für den Betrieb sollte die an Ort und Stelle vorhandene Wasserkraft benutzt werden. Ein wahrlich genialer Gedanke, trotzdem dauerte es fast zwanzig Jahre, bis alle Zweifel beseitigt und die Finanzierung gesichert war. Nach acht Jahren Bauzeit konnten die ersten Schiffe den Kanal befahren. Nach einigen Erweiterungen und Abzweigungen betrug die Gasamtlänge des Wasserweges stolze 195 Kilometer.

Nach Fertigstellung der konkurrierenden Eisenbahnstrecke in 1875 hat der Kanal immer mehr an Bedeutung verloren. So kam schon früh der rettende Gedanke, den Kanal für touristische Spazierfahrten zu nutzen. Der Güteverkehr wurde 1930 endgültig eingestellt, aber als Touristenattraktion wird der Kanal bis heute mit Erfolg genutzt.

Um die Schiffshebewerke zu besichtigen, wollen auch wir morgen das Schiff nach Elbląg nehmen. So fahren wir wieder erst zum Hafen, um für morgen Karten zu besorgen. Die Dame an der Kasse fragt, ob wir Plätze reserviert hätten. Dies müssen wir verneinen. Die Karten für morgen seien aber ausverkauft. Wir könnten für übermorgen reservieren.

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Wir nehmen ganz in der Nähe ein Hotelzimmer. Der Wirt ist ein etwas schmieriger Mensch mit süchtig-kaputtem Gesicht. Bis das Zimmer gerichtet wird, unterhält er uns mit Weisheiten, wie diese: „Die polnische Küche ist unvergleichbar besser als die deutsche! Erstens schmeckt alles besser, weil die Zutaten nicht vergiftet sind, zweitens kochen die Polen besser, und drittens ist alles billiger, und so braucht man beim Kochen nicht zu sparen!“

Nun, wir werden noch weiter forschen müssen, da unsere bisherige Erfahrung mit der polnischen Küche eine andere ist. Es ist zwar richtig, dass während ich in Estland das Typische an der Küche vermisste, gibt es hier schon einiges, was es nur hier gibt, siehe Kartacze. Suzanne sagt: „Ja, die polnische Küche ist typisch. Leider.“

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Das Hotel, das übrigens von Lonely Planet empfohlen wird, erweist sich als eine ziemlich verkommene Einrichtung. Das Bett ist ein Folterinstrument, das Bettzeug kaputt, der Wasserhahn lässt sich nicht öffnen und der Schrank sich nicht schließen. Und dann die kleinen schmutzigen Tricks! Das Zimmer wird mit Bad und WC vermietet, hat aber weder das eine noch das andere. Auf meine Frage wird mir versichert, dass die zwar sich am Gang befinden, aber nur von uns benutzt werden. Nachts finde ich aber die Toilette vollgeraucht. Oder: Unsere Fahrräder werden nachts in dem ehemaligen Restaurant eingeschlossen. Am nächsten Tag verlangt der Wirt dafür zusätzlich 10 €. Alte Wahrheit: Wie der Wirt, so die Kneipe!