1. Tag : Von Durfort nach Montréal

Samstag, 25.08.2007
Wir verabschieden uns von Gwen und Jerry. Nach einer verregneten und kalten Woche ist heute der erste Tag, der uns mit einem etwas freundlicheren Wetter begrüßt.
Der Weg führt uns in das nahegelegene Städtchen Revel, eine typische bastide. Diese befestigten Städte wurden im 14. und 15 Jahrhundert während des Hundertjährigen Krieges angelegt. Typisch ist - außer der wehrhafte Stadtmauer - der rasterförmige Verlauf der Straßen und der quadratische Hauptplatz mit Arkadengängen. Manchmal ist auch die Kirche als letzter Fluchtort burgartig befestigt. Auf dem zentralen Platz ist oft eine Markthalle zu finden. Revel besitzt eine besonders große und prächtige Markthalle. Heute ist Markttag. An den Ständen werden alle ess- und trinkbaren Produkte angeboten, die die Gegend für Genießer so attraktiv machen. Hier zu leben wäre für mich, der ständig mit dem Übergewicht zu kämpfen hat, höchst gefährlich.

Wochenmarkt in Revel
Hier wird aligot, ein Gericht aus Kartoffeln und Käse, zubereitet.
Wochenmarkt in Revel

Wir setzen unseren Weg an dem Rigole-Kanal fort. Dieses bachbreite Gewässer wurde von dem genialen Baumeister Paul Riquet, dem Erbauer des Canal du Midi vor 330 Jahren angelegt. Dieser Nebenkanal holt Wasser aus der entfernten Montagne Noire, um damit den Wasserstand des Canal du Midi zu sichern. Naturgemäß muss dieser Kanal auf seinem langen Weg den Höhenlinien folgen, ohne Steigung und nur mit minimalem Gefälle. Dieser Umstand macht den begleitenden Radweg besonders bequem.

Rigole-Kanal

Wir wollen nach Castelnaudary. So verlassen wir diesen Radweg und folgen den schmalen Landstrassen über das hügelige Bauernland. Es gibt so gut wie keinen Verkehr. Wir rollen dahin, die Lust steigt.

Das Landschaft des Lauragais
Das Landschaft des Lauragais
In Souilhanels
Castelnaudary

In Castelnaudary ist Stadtfest, Fete de Cassoulet. Cassoulet ist ein bekanntes, deftiges Bohnengericht mit Entenfleisch und Wurst, das angeblich hier erfunden wurde. Feste haben in Frankreich immer mit Essen und Trinken zu tun. Eine sehr sympathische Nationaleigenschaft! Zwischen den Verkaufsständen spielen immer wieder verschiedene Musikgruppen, schräg spielende lustige Bands, die man bei solchen Gelegenheiten in Frankreich überall treffen kann. Ich höre ihnen gern zu.

Cassoulet-Fest in Castelnaudary

Natürlich wird auch der Anlass des Festes, der Cassoulet, an allen Ecken angeboten. Es ist Mittagszeit, wir nehmen die Gelegenheit wahr, Cassoulet an der Quelle zu probieren.

Cassoulet

Wieder etwas gelernt: Cassoulet ist für Radler, die noch vorhaben an demselben Tag weiter zu fahren, als Mittagsmahl wenig geeignet. Die mehrtausend Kalorien liegen im Magen wie die Wackersteine bei dem Wolf in dem Märchen von Rotkäppchen.

Wir fahren dem Canal du Midi entlang nach Osten. Ich fühle mich ziemlich schwach, meine ganze Energie wird vom Cassoulet beansprucht, für die Pedale bleibt nur ein jämmerlicher Rest.

Canal du Midi
Canal du Midi
Canal du Midi

Bei Bram verlassen wir den Canal und fahren nach Süden. Das Gelände wird hügelig. Das sind die vorerst sanften Steigungen, die später allmählich zu den Pyräneen hochwachsen. Hier am Anfang sind sie noch harmlos, aber in meinem momentanen Zustand bin ich an unserem Tagesziel Montreal - also doch schon ein "Mont" - ziemlich geschafft.

Montréal

Das kommunale Camping am Schwimmbad ist so gut wie leer, sehr einfach, aber immerhin es gibt eine warme Dusche.

Camping in Montréal
Kirche in Montréal

Nach einem kurzen Besuch in der hochgelegenen Altstadt, wo eine große gotische Kirche steht, kehren wir in die Niederungen des Alltags zurück: Abendessen in einer Pizzeria. Die Spezialität des Hauses ist die quadratische Pizza, riesengroß wie ein Backblech.