13. Tag: Von Estagel nach Durban-Corbières 
   

 

 

 

 

 

 
 
Donnerstag, 06.09.2007
Manche Deutsche mögen nicht deutsch sein. Wir können es immer wieder beobachten, dass besonders elitäre Kulturtouristen es fast als persönliche Beleidigung empfinden, wenn sie in Frankreich als Deutsche erkannt werden. Wenn beispielsweise Amerikaner sich im Ausland begegnen, dann gibt es ein Hello, ein kleines Schwätzchen und nach gegenseitigen guten Wünschen einen Abschied. Nicht so bei uns. Heute früh beim Frühstück ist ein deutsches Pärchen anwesend, das ich schon gestern Abend mit einander Deutsch sprechen hörte. So grüße ich sie jetzt mit einem frühlichen "Guten Morgen". Das war offensichtlich falsch. Sie antworten nicht und beim Verlassen des sonst leeren Raumes pressen sie die Lippen demonstrativ zusammen. Ich denke, viele Deutsche haben ein gestörtes Nationalbewustsein: Mal zu wenig, Mal zu viel.

Die heutige Strecke besteht aus zwei ähnlichen Hälften: Von Estagel nach Tuchan und von Tuchan nach Durban. Beides Mal steigt der Weg in Weinbergen zu einem Pass hoch, und an der anderen, an der Nordseite durch Buschwerk und Pinienwälder wieder hinunter. Die Gegend ist besonders schön, und die Steigungen nie so gross, dass sie uns problematisch wäre. Zwar tobt der Wind nach wie vor, aber er hat sich auf West gedreht, kommt uns also von der linken Seite. Wenn wir allerdings durch die vielen Kurven mal kurz gegen den Wind treten müssen, habe ich das Gefühl, dass mir jemand einen Stock in die Speichen geschoben hat. Es hilft nur herunter zu schalten und ganz langsam die Steigung zu nehmen. Dabei ist viel Geduld gefragt, aber wir sind nicht bei der Tour de France.

 

 

Weinberge nach Estagel

 

 

 

 

 

 

 

 Tuchan

 

 

 Tuchan 

 

 

Chateau d'Aguilar

 

 

Nun ja, so extrem auch wieder nicht!

 

 

 Vor Durban-Corbiéres

 

Durban

 

Der kleine Ort unter der Burgruine hat einen kleinen Laden, einen Bäcker, ein Bistro und ein Camping. Wir bauen unser Zelt auf. Einfach ist das nicht: Der wind will uns die Plane aus der Hand reißen.

 

 

Abends in dem einfachen Bistro werden wir wieder ausgezeichnet bewirtet. Allgemein können wir festhalten, dass die Küche in Corbières auffallend gut ist. Dies wird zwar in Frankreich erwartet, aber manchmal wird diese Erwartung bitter enttäuscht. Beispielsweise haben wir vor Jahren in Poitou ganz andere Erfahrungen gemacht als hier in der Gegend.