14. Tag: Von Durban-Corbières nach Douzens
   

 

 

 

 

 

 
Freitag, 07.09.2007
Nachts hat der Wind so an unser Zelt gezerrt, dass ich befürchtete, jetzt werden wir fliegen lernen! Bis zur Morgendämmerung lässt er ein wenig nach, aber weg ist er noch immer nicht.

 

 

 

Wir nehmen als Frühstück einige Croissants in der erwähnten Bäckerei und so gestärkt fahren wir los. Nach anfänglichen Weinbergen geht es in dem tiefen kargen Tal des Flüsschens Berre weiter, wo wir gegen den Westwind einen relativen Schutz finden. Verkehr gibt es so gut wie keinen.  

 

Weinlese nördlich von Durban.

 

 

Die schöne Berglangschaft inspiriert uns, gibt uns Kraft. Wir merken, wie es heute besonders viel Freude macht, hier zu radeln. So wählen wir für die Weiterfahrt nach Norden nicht die bequemere Talstrecke, sondern die über Fontjoncouse führende Bergroute. Nach unserer Karte soll dort oben ein schönes Dorf mit einem sehenswerten alten Kloster zu sehen sein.

 

 Die Strasse nach Fontjoncouse

 

 Diese ist die einzige waagerechte Stelle an der Strasse nach Fontjoncouse; sonst geht es ziemlich steil nach oben.

 

 Nun, Fontjoncouse ist ein kleines Nest mit nur 100 Einwohnern. Der Grand Place in der Mitte des Dorfes ist ein Dreieck mit nur fünfzehn Meter Seitenlänge. Auch die Abtei ist keine Begründung für diesen Umweg. Aber die wilde, einsame Landschaft macht unseren Schlenker zum Höhepunk der letzten Tage.

 

 Fontjoncouse

 

 Nördlich von Fontjoncouse

 

In Coustouge

 

Hinter Fontjoncouse geniessen wir die lange Abfahrt, die uns in einem weinbewachsenen Tal nach Fabrezan zurückführt. Hier kreuzen wir unseren eigenen Weg. Vor neun Tagen im Regen sah hier die Welt traurig aus. Jetzt ist es mild und sonnig, nur der Wind ...

 

Fabrezan

 

 Wir überlegen kurz, ob wir wegen dem Wind in Fabrezan ein Zimmer suchen sollen, aber wir fühlen uns gut, die zwölf Kilometer bis zu unserem geplanten Tagesziel Douzens schaffen wir auch noch. Also weiter!

Es geht auch recht gut bis etwa Fontcouverte. Wir sind wieder im Aude-Tal. Auf den letzten acht Kilometern bekommen wir den inzwischen wieder stürmischen Westwind genau von vorn mit einer kaum beschreibbaren Brutalität. Auf den letzten vier Kilometern benötigen wir zwei (!) längere Pausen, die wir im Strassengraben im Windschatten von dicken Platanenstämmen verbringen. Das Dorf Douzens mit dem kleinen Gasthaus kommt uns vor, wie die Errettung, die Erlösung!

 

 

 Unser Gasthaus in Douzens

 

 Das saubere Hotel ist übrigens ein merkwürdiges Etablissement: Die Einrichtung ist eine Apotheose von Kitsch, aber in einer so konsequenten und liebenswürdigen Weise, dass dies schon als Kunst betrachtet werden kann. Jedes Zimmer ist in einer anderen Farbe gehalten; unser Zimmer ist pink.

 

Unser Zimmer

 

Restaurant-Interieur

 

Auch das Abendmenü ist ästhetisch hergerichtet und ist so schmackhaft, wie es in einem so kleinen und unscheinbaren Ort und in einem einfachen Dorfgasthaus kaum zu erwarten ist.

 

Entenbraten mit grünen Bohnen und Kartoffelplätzchen