8. Tag: In Gruissan

Samstag, 01.09.2007

Schon früh am Morgen bläst es so stark, dass die Stühle am Balkon herumfliegen. Unter dem Fenster, wo im Yachthafen die Boote schwimmen, klappern die Fallen an den Aluminiummasten ihr Staccato. Nein, es ist kein Tag zum Radeln.
Altstadt in Gruissan
Samstag ist Markttag in Guissan. Unter der alten Burg in den Altstadtgassen bereiten die Händler ihre Waren aus: Obst, Wurst, Käse, Klamotten und Kitsch, wie überall auf ähnlichen Märkten in Frankreich.
Markt in Gruissan
Markt in Gruissan
In Gruissan

Später fahren wir zum Hafen zurück um die Boote zu bestaunen. Auch die Boote haben sich - wie alles in der Welt - in den letzten Jahrzehnten verändert. Damals, als ich noch ständig nach Booten schaute, waren die meisten Segelschiffe mit kleiner Kajüte sechs bis sieben Meter lang, und wenn einer zwölf Meter mass und 150.000 DM kostete, vermutete man einen Millionär dahinter. Surfen war noch nicht erfunden, dafür gab es viele Jollen.

Heute gibt es fast keine Jollen und Jollenkreuzer mehr, sie wurden durch Surfbretter oder ausgewachsene Yachten ersetzt. Dabei ist die Norm etwa von 16 Metern aufwärts. Für einen halben Million Euro ist man schon dabei. Es ist wie bei so vielen Dingen heutzutage: Die Mitte wird ausgedünnt.

Am Nachmittag radeln wir zu dem vier Kilometer entfernten Strand. Der Weg dahin ist eine einzige Baustelle, es werden neue Ferienanlagen - oder wie die hier heissen Residens - gebaut. Was den Stil betrifft, nun, es gibt Schlimmeres.

Strand bei Gruissan. Der ablandige Wind zerstäubt die ankommenden Wellen.

Obwohl es sonnig und warm ist, halten wir es am Strand nicht lange aus. Ein ablandiger stürmischer Wind schiesst Sandkörner wie aus einem Sandstrahler gegen unsere Rücken. Sie fühlen sich wie Nadelstiche an.

Abends gehen wir in ein Fischlokal, wo wir ein gutes Fischmenü, und nicht moules au frites essen. Ich finde es interessant, wie schnell dieses Gericht seienn Eroberungsfeldzug aus Belgien bis ans Mittelmeer vollzog. Vor zwanzig Jahren, als ich meinen französischen Freunden erzählte, dass ich in Brüssel Muscheln mit Pommes Frites serviert bekommen habe, haben sie sich schief gelacht.