Etwas Geschichte: Wer waren die Katharer?

Die Katharer haben eine dualistische christliche Religionsgemeinschaft gebildet, die in dem 12. Jahrhundert den Süden des heutigen Frankreich eroberte und etwa hundert Jahre beherrschte. Was heute als "Katharerland" bezeichnet wird, entspricht dem ehemaligen Verbreitungsgebiet dieser Religion. Es ist ein halbmondförmiges Terrain, etwa begrenzt von den Städten Albi, Béziers, Perpignan, Tarascon-sur-Ariège und Toulouse. Die Katharer haben sich als Gegner der römischen Kirche verstanden und haben fast allen Glaubensätzen der Katholischen Kirche widersprochen. Sich selbst bezeichnet sie als die Reinen. Sie glaubten beispielsweise, dass die Menschen vom Gott und vom Teufel gleichermaßen beherrscht sind, aber ähnlich, wie in den heutigen fernöstlichen Religionen, werden irgendwann alle Menschen erlöst. Diesen Zustand soll man durch ein reines Leben anstreben. Wenn einer stirbt, bevor er die erforderliche Reinheitsstufe erreicht hat, bekommt durch Wiedergeburt eine weitere Chance. Damit verneinten sie den Jüngsten Gericht, die Hölle, lehnten die Beichte und die meisten Sakramente ab, Christus betrachteten sie nicht als Erlöser, sondern als Wegweiser.

Man kann die Empörung der herrschenden Amtskirche vorstellen! Der Papst Innozenz III. hat gegen sie einen richtigen Kreuzzug aufgerufen. Gute Beute witternd sind viele Adlige aus anderen Gebieten nach Süden gestrrömt, für den richtigen Gott zu kämpfen. Der Krieg gegen den Abtürnigen ist der blutigste gewesen, den Frankreich je erlebte. Stellvertretend für alle Grausamkeiten sei hier nur eine bekannte Episode erwähnt. Als die Kreuzritter am 22. Juli 1209 Béziers eroberten, sollten alle Katharer getötet weden. Als der geistige Führer des Kreuzzuges, der Zisterzienserabt Arnold-Arnaury gefragt wurde, wie man die Katharer von den guten gläubigen Katholiken unterscheiden könnte, soll er geantwortet haben: „Tötet sie alle! Gott wird die Seinen schon erkennen!“ Die Stadt wurde geplündert und verbrannt, etwa 20000 Einwohner wahllos ermordet, übrigens auch die 7000, die in der Magdalenenkirche Schutz gesucht haben.

Heute werden die Tatorte des Krieges für den Fremdenverkehr vermarktet. Ich kann die ketzerische Frage nicht unterdrücken, ob in achthundert Jahren unsere heutige Katastrophen vielleicht ähnlich versilbert werden.