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Einige Ratschläge
Reisezeit
Der Namenstag Jacobi, am 25. Juli, ist spanischer Nationalfeiertag. An diesem Tag finden in ganz Spanien, aber besonders in Santiago de Compostela, Festveranstaltungen statt. Ihr Höhepunkt ist das berühmte Feuerwerk am Abend vor der Kathedrale. Aus diesem Grund planen viele Pilger ihre Reise so, dass sie einen oder zwei Tage vor dem 25. Juli in Santiago ankommen.
Leider zu viele. So sind die spanischen Herbergen im Juni und Juli überfüllt, und zwar umso mehr, je näher man Santiago de Compostela kommt, was die Freude am Pilgern manchmal arg beeinträchtigt. Auch der Monat August, wenn viele Menschen Ferien haben, ist für die Liebhaber der Einsamkeit ungeeignet.
Es ist also ein Widerspruch in sich: Obwohl das Wetter in den Monaten Juni bis August am besten geeignet ist zu pilgern, kann ich diese Zeit nur Menschen empfehlen, die das Sprudeln des Lebens ausgesprochen mögen. Die sollten sich allerdings mit Liegematte ausrüsten, da sie in den Herbergen nachts oft - wenn überhaupt - nur auf dem blanken Fußboden Platz finden werden.
Das Wetter ist besonders in Galicien ziemlich unberechenbar. Wenn die Sonne scheint, ist es recht heiß, aber wenn es bewölkt ist, kann es auch in den Sommermonaten empfindlich kühl werden. Ich habe auf dem spanischen Jakobsweg auch in Sommer mehr gefroren als geschwitzt.
Die Monate zwischen September und April sind in der Regel sowohl in Frankreich (Massif Central) als auch in Spanien kalt, manchmal winterlich mit Schnee und Frost, also nur für Enthusiasten, wozu ich mich nicht zähle, geeignet.
Fazit: Der es sich leisten kann, soll im Mai oder in September sich Zeit nehmen zu pilgern. Ich habe damit recht gute Erfahrungen gemacht.
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Kann ich allein auf dem Jakobsweg gehen?
"Ist es nicht zu gefährlich, so lange allein zu laufen?" werde ich immer wieder gefragt.
Nun, wenn man oder frau von Zuhause, also aus Deutschland, nach Santiago de Compostela läuft, dann ist das genau so gefährlich oder ungefährlich, als ob diese Reise zwischen Regensburg und Passau oder an einer anderen beliebigen Strecke stattfinden würde. Ich würde die Gefahren nicht höher einschätzen als bei einer Wochenendwanderung in heimatlicher Umgebung. Dies gilt auch für die Länder Schweiz, Frankreich und Spanien.
Die Frage, ob man allein oder in Gesellschaft eine lange Pilgerreise, also die von Deutschland beginnend, unternehmen sollte, muß eher danach beantwortet werden, ob man überhapt so lange allein sein will. Als ich von Kassel nach Santiago gelaufen bin, habe ich die monatelange Einsamkeit sowohl genossen als auch durchgelitten.
Wie auch immer: Ab Le Puy bis Santiago stellt sich diese Frage sowieso nicht mehr, da ab Le Puy so viele andere Pilger unterwegs sind, dass man, gewollt oder ungewollt, ständig Gesellschaft hat. (Ich beispielsweise habe meine Frau auf dem Jakobsweg kennengelert.)
PS: Bitte nehmen Sie keinen Hund auf den Jakobsweg mit! In den meisten Herbergen herrscht Hundeverbot! |
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Erfahrungen, die ich unterwegs mit körperlichen Beschwerden machte
Die folgenden Bemerkungen über Beschwerden und besonders über deren Behandlung entsprechen nur meinen persönlichen Erfahrungen. Allerdings habe ich beobachtet, dass auch andere Pilger mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten.
Bei den Behandlungsvorschlägen möchte ich betonen, dass ich kein Mediziner bin, also mögen meine Empfehlungen als solche von einem Laien verstanden werden. Mir haben sie allerdings geholfen.
Vor meiner langen Reisen hatte ich die Vorstellung, dass die körperlichen Beschwerden, die ich am Anfang des Weges erwartete, mit der Zeit verschwinden würden. Nun, das tun sie nicht. Man kann sich zwar etwas an sie gewöhnen, aber auf einer mehrmonatigen Reise tut ständig irgend etwas weh. Bis hin nach Santiago.
Hier die einzelnen "Wehwehchen", die mich zeitweilig arg geplagt haben:
Fußblasen
Blasen muß man nicht bekommen: Wenn man alles "richtig" macht, können sie meistens vermieden werden. Hier einige vorbeugende Maßnahmen:
Wahl des richtigen Schuhwerks
Dies ist vielleicht die wichtigste Voraussetzung, um überhaupt lange laufen zu können. Da auf dem langen Weg Betonbelag, Schlammpisten, Gebirgspfade und alle möglichen anderen Wegarten anzutreffen und zu bewältigen sind, halte ich feste Wanderstiefel für unentbehrlich. Die Schuhe sollen nach Möglichkeit die allerbeste Qualität haben und eingelaufen sein. Auch solche Schuhe benötigen unterwegs Reparaturarbeiten. Sich ablösende Schuhsohlen kann man mit Sekundenkleber selbst reparieren.
Keineswegs darf die Schuhgröße zu knapp gewählt werden, eher schon etwas größer, als man bei Straßenschuhen es gewöhnt ist. Ich habe mehrere Fälle gesehen, in denen knapp bemessene, teure Stiefel blaue Zehen zur Folge hatten und die Stiefel letztendlich weggeworfen werden mussten.
Gut bewährt haben sich in den Sportgeschäften erhältliche Treckingsocken, die speziell für Wanderer entwickelt worden sind und in den verschiedenen Fußzonen aus unterschiedlichen Materialien gefertigt sind. Auch mit Baumwollsocken habe ich gute Erfahrung gemacht; die sind allerdings weniger haltbar.
Die Socken sollen nur dann gewaschen werden, wenn es sich nicht mehr vermeiden läßt. In Verbindung mit Fußcreme bekommen sie nach einigen Tagen eine geschmeidige, lederartige Struktur, die zwar nicht der Nase, aber den Füßen guttut.
Fußcreme
Ich habe meine Füße jeden Tag zweimal richtig dick eingefettet. Es gibt viele verschiedene gute Fußcremes, keine ist aber überall erhältlich. So habe ich mich auf die gute alte Vaseline besonnen, von der ich Unmengen mit gutem Erfolg verbraucht habe.
Behandlung von Fußblasen
Trotz bester Vorsätze kann man nicht alles "richtig" machen. So bekommt man Fußblasen bis ans Ziel. Es genügt ein verregneter Tag, in dem etwas Wasser von oben in die Schuhe läuft, eine etwas längere Tagesstrecke als die vorherigen, ein langer Tag auf hartem Asphaltbelag, und man kann am Abend die Bescherung betrachten. Was nun?
Abhilfe bringen die verschiedenen neuartigen Hydrokolloidverbände, die sich bestens bewähren, aber unterwegs kaum zu erhalten sind.
Auch mit einer anderen einfachen Methode habe ich gute Erfahrung gemacht. Sie hört sich nach Rosskur an, ist aber weniger schlimm, als man denkt. Man überklebt die Blasen mit einem medizinischen Klebeband, z.B. von Leukoplast, egal, ob die Blase noch zu oder schon offen ist. Dieser Streifen wird so lange nicht abgenommen, bis die Wunde verheilt ist. Wenn der Streifen verrutscht, wird ein neues Bandstück übergeklebt. Irgendwann ist die Wunde abgeheilt und das Band fällt mit milder Hilfe selbst ab.
Knieschmerzen
Knieschmerzen haben mich - alten Knaben - besonders am Anfang meiner Reise stark beschäftigt, da aber die Beine von der Natur offensichtlich für das Laufen gedacht sind, löste sich dieses Problem mit der Zeit quasi von selbst. Man muss sich am Anfang allerdings durchbeißen. Dabei hat mir die Aussage eines Pilgerbruders, dem ich unterwegs begegnete und der im Zivilleben als Orthopäde tätig war, sehr geholfen. Er behauptete, dass Gelenkschmerzen, solange man sie aushalten kann, nicht schaden können. Wenn Bewegung den Gelenken schadet, kann man sie nicht mehr bewegen.
Erleichterung haben mir auch Wanderstöcke und Kniebandagen gebracht.
Schmerzen im Schienbein
Viele von uns Pilgern haben unterwegs Probleme mit rheumaähnlichen Schmerzen, die an der vorderen Seite des Schienbeins zuerst nur als unangenehmes Ziehen wahrzunehmen sind, aber mit der Zeit sich so steigern, dass sie einen am Laufen hindern können. Wenn man Pech hat, dann ist das eine Sehnenscheiden-Entzündung, die nur mit einer langen Ruhepause zu heilen ist. Angeblich können diese Schmerzen auch dadurch entstehen, dass die zu eng geschnürten Schuhe vorn die Knochenhaut reizen. In diesem Fall bringen locker geschnürte Schuhe eine rasche Besserung. Da das lockere Schnüren aber dem Knöchel weniger Halt gibt, und auch die Bildung von Fußblasen erleichtert, ist in dieser Frage ein wenig Experimentieren erforderlich.
Sonnenbrand
Dass man sich gegen Kälte und Hitze schützen muss, brauche ich kaum zu erwähnen. Wichtig ist aber zu wissen, daß in Südfrankreich und in Spanien auch bei bedecktem Himmel die Gefahr besteht, einen bösen Sonnenbrand abzukriegen. Damit sind Kopfbedeckung und Sonnenschutzmittel für Fußpilger unentbehrlich. |
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