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11. Tag: Von Quistello nach Bondeno
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Montag, den 30. April 2001
Wir kehren zum Fluss zurück, von dem wir wegen der Unterkunft etwas weggerückt sind. Dabei wählen wir rein zufällig den Weg durch das Dorf Nuvolato und werden von der Kirche San Fiorentino überrascht. Das fast tausend Jahre alte romanische Gotteshaus hat eine Reihe von Freskoresten aus der Bauzeit zu bieten. Die im Kirchenraum zur Zeit durchgeführte Ausgrabung hat ein Stück Terracotta-Boden freigelegt, dessen alter sogar auf 1200 Jahre geschätzt wird. Auch dies alles begegnen wir quasi ohne Vorwarnung.
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Just bei diesem freudigen Fund gibt der Fotoapparat von Suzanne seinen Geist auf. Ein Ersatz ist hier nicht zu beschaffen. Da sie sehr gern und recht gut fotografiert, wird ihre Stimmung für kurze Zeit von diesem Missgeschick beeinträchtigt. Dann einigen wir uns darauf, meine Kamera gemeinsam zu benutzen.
Von Quingentole folgen wir der Deichkrone, hier ein feiner Asphaltweg, nach Revere. Auch diese hübsche, mit rechtwinkligem Straßenraster angelegte Kleinstadt, deren zentraler Hauptplatz von einem mächtigen Stadtturm und einem genauso imposanten Castello aus Backstein beherrscht wird, ist eine Stadt der Gonzaga. Auch die höchsten Bauten von Revere werden von den surrealistisch anmutenden riesigen Schornsteinen überragt, die zu den Industrieanlagen gehören, die an der anderen Seite des Flusses, in Ostiglia die Gegend verschandeln.
Leider ist das in Palazzo Ducale untergebrachte Museo del Po, das uns besonders interessieren würde, heute geschlossen.
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Wir lassen in einem Fotoladen der kaputte Fotoapparat begutachten, aber die heutigen modernen Geräte lassen sich an Ort und Stelle nicht mehr reparieren. Ob es sich überhaupt lohnt, das Ding weiter zu schleppen, oder sollen wir es gleich in die Mülltonne befördern?
Weiter dem Deich entlang. Allerdings ist es nicht mehr durchgehend Asphalt, sondern manchmal eine holperige Schotterpiste. Auch das Wetter ist unbestimmt: Zwar ist es sonnig und recht heiß, aber das Licht ist irgendwie gebrochen. Später, als wir in dem Weiler Carbonarola vor der kleinen barocken Zentralkirche ausruhen wollen,
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werden wir von dicken Regentropfen zum Weiterfahren bewegt. Aber kurz danach scheint wieder die Sonne. Eine merkwürdige Einerlei, nur der Wind, der bläst konstant stark und uns entgegen.
Unsere Sicht von dem hohen Deich reicht weit in das flache Land hinein. Es sind durchweg tüchtig bearbeitete Getreide- und Maisfelder, deren aufgeräumte Erscheinung in krassem Gegensatz zu den einzelnen großen Bauernhöfen steht, die meistens nicht mehr bewohnt und dem Verfall überlassen sind. Die eingefallenen Dächer, glaslose Fenster und das Fehlen von Mensch und Tier erinnern uns an die Vergänglichkeit der Dinge, ja unwillkürlich
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auch an unsere eigene Vergänglichkeit. Das Thema ist auf dieser Reise uns durchaus gegenwärtig, da wir naturgemäß nicht mehr so schnell und nicht mehr so weit radeln können, wie vor fünfzehn Jahren. Nicht, dass wir uns beklagen, eigentlich geht es noch ganz passabel, aber die Tendenz ist eindeutig.
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Südlich von Carbonarola steht mitten im Acker ein Kraftwerk mit himmelhohem Schornstein. Ein unmenschlich kolossales Monstrum, wir beeilen uns, es schnell hinter uns zu bringen.
Bei Móglia bestaunen wir einen alten, aus Ziegelstein erbautem Wasser-Hebewerk, ein ehemals mit Dampf betriebenes Industriedenkmal, das nicht nur einen, sondern zwei hohe Schornsteine hat und seinerzeit bestimmt genau so monströs erschienen ist, wie heute das vorher gesehene Kraftwerk. Vielleicht macht das Alter die hässlichen Bauten ehrwürdig und damit schön.
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Am Eingang von Felonica sehen wir die kleine romanische Kirche S. Maria Assunta, die sich unmittelbar hinter dem Deich Schutz findet. Das einfache einschiffige Bau aus dem 11. Jahrhundert mit der von innen offenen Dachkonstruktion ist jüngst vorbildlich restauriert worden.
Auch die barocke Rundkirche, die nur wenige Kilometer danach in Quatrelle sich, wie mit Verstand, in der schützenden Biegung des hohen Deiches versteckt hält, lässt uns fast vergessen, dass einige dieser Bauwerke schon lange hier standen, bevor die Schutzdämme auch nur geplant waren. So ändert die Zeit die Kräfteverhältnisse.
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Es muss schon ein besonders kräftiges und starkes Bollwerk sein, das ohne den Schutz der Deiche erst den feindlichen Angriffen gegnerischer Soldaten, und später den wiederkehrenden Fluten des Po bis heute erfolgreich getrotzt hat. So ein Meisterwerk ist die kleine, aber kräftige Burg Rocca di Stellata, die an der Flussseite des Deiches steht. Obwohl sie sich nicht Mal über den Wipfeln der umgebenden Pappeln erhebt und damit wie eine in dem Wald versteckte Spielzeugburg aussieht, vermittelt sie mit ihren starken Wänden und runden Ecktürmen heute noch unbeugsame Wehrhaftigkeit. Etwa in halber Höhe der Mauer ist eine umlaufende waagerechte Linie sichtbar, die zeigt, wie hoch die Festung regelmäßig vom Wasser überflutet wird.
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Hinter Bondeno, am Ufer das Canal Napoleonico finden wir ein einfaches Hotel mit empfehlenswertem Abendessen. Besonders die süßen Nachspeisen werden in guter Erinnerung bleiben.
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