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13. Tag: Von Serravalle nach Porto Tolle
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Mittwoch, den 02. Mai 2001
Wir bekommen das beste Frühstück unserer bisherigen Reise. Wobei das „beste“ muss durch das Adjektiv „italienisch“ relativiert werden. In Italien werden die Zimmer grundsätzlich ohne Frühstück vermietet und wenn mal ausnahmsweise gegen Aufpreis ein Frühstück angeboten wird, dann ist das meistens ein Capuccino mit einem Hörnchen.
Von unserem Wirt werden wir auf dem Weg entlassen mit der Bemerkung, dass es bis zum nächsten Dorf Ariano Ferrarese nur vier Kilometer weit ist. Es ist sechs. Ich habe den Verdacht, dass „quattro kilometri“ nach dem hiesigen Sprachgebrauch eine Entfernung von ungefähr sechs bis dreißig Kilometer ist. Je nach dem.
Bei Ariano überqueren wir den schmalen, sich von dem Hauptarm des Flusses abtrennenden Po di Goro und fahren an der anderen Flussseite zurück zu der Stelle, wo eben diese Trennung sich vollzieht. Am Eingang des Dorfes Santa Maria in Punta sehen wir ein Schild, an dem wir lesen können: „Hier fängt das Po-Delta an“. Na also! Bald geschafft!
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Der gestrige Wind hat nachgelassen, der Himmel ist blau und die Luft wie Sahne. Die Deichstraße ist asphaltiert und fast ohne Verkehr. Wir haben uns erholt, es tut nichts weh, ein Hochgefühl trägt uns dem Fluss entlang unserem baldigen Ziel entgegen.
In Taglio di Po würden wir gern Informationsmaterial über das Delta holen, aber das Touristenbüro hat die Öffnungszeit von 18 bis 20 Uhr. Jetzt ist zwölf. Ein hilfsbereiter Herr nimmt unseren an und schafft sogar einen Polizisten herbei, aber auch die beiden mit vereinten Kräften können uns nicht zu den begehrten Unterlagen verhelfen.
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Wir wechseln die Flussseite. Auf der Brücke fließt der Gesamtverkehr der italienischen Ostküste zwischen Venedig und Ravenna. Das abenteuerliche zwei Kilometer hinüber sind mehr als genug für uns.
Dass nicht dieses Nordufer, sondern das gegenüber liegende Südufer des Flusses auf unserer Karte als besonders schön mit grüner Farbe unterlegt ist, können wir nicht verstehen. Die nächsten zwölf Kilometer sind mit das Schönste der Reise. Zwischen dem Po und unserem Weg liegt ein sumpfiger, lichter, amphibischer Feuchtwald, in dem die
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Teiche von unzähligen Wasservögeln besiedelt sind. Wir werden begleitet von Tausenden schwimmenden, flatternden, singenden und schnatternden gefiederten Geschöpfen Gottes, die kaum mehr Scheue zeigen als im Paradies. Wir verhalten uns möglichst still, wie in einem Tempel, um sie in ihrem Alltag möglichst wenig zu stören.
Unmittelbar nach diesem Erlebnis folgt ein unerwartetes Ärgernis. Wir wollen über die nächste Brücke zum Südufer zurückkehren. Auf der Karte ist das kein Problem. Als wir aber die Brücke erreichen, müssen wir
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feststellen, dass es planerisch nicht vorgesehen ist, von unserem Fahrradweg auf die Brücke zu kommen. Es ist eine Zweiebenenkreuzung, die Brücke läuft nur etwa sechs Meter über unseren Köpfen, aber dahin hoch zu kommen müssten wir etwa vier Kilometer Umweg machen. Wir haben uns nicht verirrt, dieses Problem stellt sich jedem, der von dem Fahrradweg auf die Brücke möchte, wie es die auf der Böschung aufgetretene abenteuerliche Schotterrutsche zeigt.
Wir laden also die Räder ab und tragen erst die Taschen, dann die Räder auf die Brücke hoch. Dabei lässt sich nicht vermeiden, dass wir mehrmals ausrutschen und hinfallen. Als wir zerkratzt und verdreckt oben ankommen, empfinden wir als unverschämten Hohn das dortige Schild, das anzeigt, dass die Brücke eine extra Fahrradspur besitzt. Diese allerdings endet hinter der Brücke ohne jegliche Vorwarnung auf der Fahrbahn der Gegenrichtung!
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In Porto Tolle gibt es drei Hotels, zwei sind geschlossen, aber eins reicht uns ja. Nach dem wir uns umgezogen haben, wollen wir den schönen Tag mit einem guten Abendessen krönen. Vielleicht Fisch oder Meeresfrüchte: Die Adria ist ganz in der Nähe.
Wir besuchen nacheinander alle Lokale des Ortes, sechs nach der Zahl. Alle sind geschlossen! Sogar außerhalb des Ortes versuchen wir es, ohne Erfolg. Zu! Alles zu!
Inzwischen ist es dunkel und die Bedrohung, nach gestern auch heute ohne Abendessen schlafen gehen zu müssen, ist immer konkreter. So ein Mist!
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Da! Ein Festplatz mit Karrusel und Schießbude! Vielleicht gibt es dort Bratfisch, oder wegen mir Zuckerwatte, mir wäre inzwischen alles recht! Wir radeln schnell hin... Nichts! Eine Kirmes ohne Besucher! Wir sind die einzigen weit und breit, die Schausteller stehen herum und schwätzen miteinander: Zum Essen gibt es jedenfalls nichts.
In diesem Häuserhaufen ohne Ortsmitte und Charakter mit dem schönen Namen Porto Tolle finden wir nichts zu beißen. Oder doch? Ein Junge kommt Pizza mampfend um die Ecke. Suzanne fragt ihn, wo er es her hat. Er sagt, in der Nähe gibt ein Pizzabringdienst. Also, nichts wiie hin! Wir sind gerettet. Zu den Pizzas holen wir aus einer Bar eine Flasche Wein und machen es uns in dem Hotelzimmer bequem. Nach dieser Odyssee schmeckt es uns besser als das beste Festessen, was uns heute entgangen ist.
So war es doch noch ein rundherum schöner Tag!
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