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14. Tag: Von Porto Tolle bis zum Meer
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Donnerstag, den 03. Mai 2001
„Porto Tolle“! Italien, Duft von Hafen, langsam dahinschlängelnder Fluss, Fischerboote... Auch beim Tageslicht ist nichts davon zu sehen. Das Ortsbild wird von einer Fabrikruine mit hohem Schornstein dominiert, dann gibt es hier noch einen Supermarkt, ein Heldendenkmal und eine Durchgangsstraße mit rasenden Autos. Apropos Autos: Seit gestern häufen sich die Autos, meist Geländewagen, mit österreichischen Nummern. Nach Erzählung unseres Wirtes sind das alle Angler, die speziell den berühmten Wels nachstellen, von denen es hier noch zentnerschwere
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Exemplare geben soll. Das ist hier die Haupteinnahmequelle aus dem Fremdenverkehr. Ich denke, auch die einzige.
Das Wetter ist heute bedrohlich: Hinter uns ist es pechschwarz. Bis zu dem Paarhäuserdorf Tolle gibt es eine Deichstraße, weiter nehmen wir die Landstraße, die auf der Karte als besonders schön mit grün gekennzeichnet ist. Warum diese holprige Asphaltstraße mit dem regen Autoverkehr, wo der hohe Damm uns der Sicht zum Fluss nimmt, besonders attraktiv sein soll, bleibt eines der Geheimnisse dieser zum Ende neigenden Reise.
Bei Scardovari, nur acht bis zehn Kilometer vor dem Endziel, ist es dann doch so weit: Der Gewitter hat uns eingeholt. Vom Blitz und Donner
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gejagt mit einem rekordverdächtigen Spurt erreichen wir das Dorflokal, wo wir im letzten Augenblick Schutz finden, bevor die Sinnflut und der Höllenwind losbricht, .
Das Gewitter ist nicht nur heftig, sondern auch lang anhaltend. Wir sind zwar auf Regen eingerichtet, aber so kurz vor dem Ende der Reise verspüren wir keine Neigung, unsere Regenklamotten auf eine letzte Härteprobe zu stellen. Auch die Temperatur ist abgesackt, wir fangen an zu frieren. Muss das denn sein?
Nach etwa drei Stunden ist der Spuk vorbei. In dem Augenblick, in dem die Wolken die Sonne wieder freigeben, ist es wieder sommerlich warm und nur noch die ausgedehnten Pfützen erinnern uns daran, dass vor einer halben Stunde die Welt untergehen wollte. April, April.
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Die letzten Kilometer, wieder auf der Deichkrone, sind so, wie wir uns das Po-Delta immer schon vorgestellt haben. Das Land wird sumpfig und mit Schilf bewachsen, der Fluss, hier der Po delle Tolle, verästelt sich mehr und mehr. Nur noch wenige Spuren von Menschen, einige malerische Fischerhütten und einfache Holzboote, die zeigen, dass hier, jedenfalls früher, auch dieses amphibische Niemandsland ihre Bewohner ernährt hat. Die freien Wasserflächen dehnen sich aus und dann... dann stehen wir vor einer riesigen Baustelle, wo ein großer Jachthafen mit allen dazugehörenden Geschäften, Wohnbauten und Servicestätten aus |
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dem Nichts wachsen soll! Schlamm und Dreck, Laster und Bagger, Krach und Benzingestank: Wir sind am Ziel!
Neben dem Bauzaun finden wir doch noch einen Pfad, der zu dem Wellenbrecher aus Bruchsteinen führt, der den zukünftigen Hafen schützen wird. Um das Meer zu sehen, erklimmen wir den Steinhaufen und dann ist es wahrhaftig geschafft: Vor uns liegt die unendliche, silbern glitzernde Wasserfläche der Adria! Der Fluss, dem wir bis hierher gefolgt sind, wird vom Meer aufgenommen, aufgesaugt, er hört auf zu existieren. Ein friedliches Ende. Nichts dramatisches, ein natürliches Ende nach einem langen Flussleben.
Von der Wiege bis zur Bare.
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