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Samstag, den 07.06.2003 Von Prag nach Melnik Ihr „junges Team von aktiven RadfahrerInnen“, das das „bikeline Elberadweg-Reiseführer“ geschrieben hat, ich bin nicht gut auf euch zu sprechen! Dass der aus Prag herausführende, beschilderte Radweg jenseits der Čehov-Brücke mit Treppen und äußerst steilen Schiebepassagen anfängt, dafür könnt ihr nichts, außerdem wird man durch die darauf folgende wunderschöne Strecke durch den Stadtpark mehr als entschädigt. Auch das Wegstück von Podhaři bis Klecánky an dem rechten Moldau Ufer ist von den Tschechen als Radweg angegeben, auch wenn es nie im Leben Radweg ist: Es fängt mit grober Steinschüttung an oder soll ich die 15 20 cm große, kantige Felsenblöcke noch Schotter nennen - und setzt sich als ein mit großen Natursteinblöcken gepflasterter ehemaliger Treidelweg fort. Da dieser Wegbelag mit Fahrrad unbefahrbar ist, haben die Radler und Spaziergänger daneben in dem Wiesenboden tiefe Spuren gezogen, die auch wir jetzt benutzen. Man fährt, wie in einer Schiene, und Suzanne, die zweifelsohne gut fahren kann, fällt mit dem schweren Gepäck hin und holt sich einige Schürfwunden. Aber dies alles reicht nicht, mich dazu zu bringen, wüste Flüche auszustoßen. Aber die Passage zwischen Klecánky und Dolánky ... |
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Der amtliche Radweg führt hier von dem Ufer weg, rein in die angrenzende Berge, eine anstrengende Kletterei über die Dörfer, die wir gern vermeiden würden. So freuen wir uns, daß die RadfahrerInnen uns in ihrem Radführer eine Alternative anbieten, und zwar unmittelbar am Fluss, der und jetzt will ich zitieren „ flach, größtenteils unbefestigt, aber landschaftlich ein sehr schöner Weg“ ist. Ich frage mich, wieso dann nicht diese Wegvariante als der Hauptvorschlag angegeben ist. Nun, das erfahren wir ziemlich rasch. Schon der Anfang des Weges zu finden ist problematisch. Obwohl wir seit Bayrisch Eisenstein kaum einen Radler getroffen haben, hier finden wir gleich vier. Sie suchen seit einer Viertelstunde den Einstieg. Wir beraten uns und stimmen darüber ab, ob die Rutsche an einer mit Gestrüpp bewachsener Böschung der weiterführende „Radweg“ ist oder nicht. Sie ist es: Unten, im dem tiefen Ufersand gezogenen Spuren können nur von Radlern stammen, die vor uns hier gewesen sind. Die Spur verengt sich bald: Jetzt ist sie ein mit hohen Brennesseln und Brommbeeren fast völlig zugewachsener Fußpfad, der in dem bewaldeten schmalen Uferstreifen seinen Weg sucht und nicht immer findet. Unser aufkeimender Zweifel, ob dieser Pfad überhaupt ein Ziel hat, wird von der sperrlichen Wanderwegmarkierung an einigen Bäumen zerstreut. Wir sind also noch auf der Karte. Der begehbare Streifen zwischen dem Fluss und dem immer steiler werdenden Berghang wird immer schmaler, später tendiert er zu Null. Hier wurde früher ein gemauerter Treidelpfad quasi an die Steilwand angeklebt. Auf diesem Pfad liefen früher die Pferde, die die Flusskähne mit langen Seilen stromaufwärts zogen, bevor diese Arbeit mit der Erfindung der Dampfschifffahrt überflüssig wurde. Im 19. Jahrhundert wurden alle schiffbaren Flüsse von solchen Wegen begleitet. Heute dienen diese Wege vielenorts als sehr beliebte und geeignete Radlerwege. Hier aber nicht! Der Treidelpfad ist in den vergangenen hundert Jahren von herabrutschendem Stein und Erde fast vollständig verschüttet worden, der Trümmerkegel, von Bäumen und Büschen dicht bewachsen, reicht bis zum Rand der ehemals breiteren Weges. Übrig geblieben ist nur eine zum Wasser abfallende, etwa 5 m hohe, steinerne Stützmauer, dessen 50 bis 60 cm schmale und stellenweise fehlerhafte Krone jetzt als „Radweg“ dienen soll! Und das 4 km weit! Auf diesem winzigen Streifen, der unmittelbar neben dem Fluss in schwindelerregender Höhe verläuft, ist sogar das Schieben der Räder problematisch! Die RadfahrerInnen, die diesen Gamsgang als Radwegvariante beschrieben haben, hätten mindestens bemerken müssen, dass diese Wand nur schwindelfreien, artistisch begabten und todverachtenden Radlern mit guten Schwimmkenntnissen empfohlen werden kann! |
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Nach diesem Abenteuer, schon in Dolánky, finden wir ein einfaches Ausflugslokal, wo einige Radler, die dieses abartige Wegstück überstanden haben, sich von dem Schreck erholen und wie die Gipfelstürmer im Basislager unter dem Mont Everest ihre bestandene Bewehrung feiern. Der weitere Weg nach Mělnik verläuft meistens auf schmalen Nebenstraßen, die, abgesehen von einer kurzen Waldstrecke bei Vepřek, wo wir schieben müssen, sehr gut und bequem zu fahren sind. Es ist am Nachmittag richtig heiß geworden. Auf dem Asphalt haben sich hunderte von kleinen Bläschen gebildet. Wenn das Rad über diese Halbkügelchen fährt, zerplatzen sie und geben ein Geräusch, das an in der Ferne explodierende Feuerwerkskörper erinnert. Mělnik ist eine hübsche Kleinstadt, erbaut auf einem Hügel über dem Fluss genau an der Stelle, wo unser bisheriger Begleiter, die Moldau, in die Elbe mündet. Der weit sichtbare hohe Turm des Domes St. Peter und Paul gibt uns die Richtung an, die wir an den letzten Kilometern folgen. |
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| Dann stehen wir von der Nachmittagssonne geblendet oben auf einer Aussichtsterrasse und schauen hinunter, wo die zwei Flüsse sich begrüßen. Unsere Gefühle sind widersprüchlich. Einerseits haben wir, was wir vorgenommen haben, nämlich an der Moldau entlang zu radeln, so gut es ging, vollbracht. Andererseits ist unsere schöne Reise hiermit eigentlich zu Ende. |
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