Castel del Monte - Altamura

Samstag, den 14.05.2006

Wir lassen den Wagen bei den Bauern, satteln die Räder und radeln munter los. Wobei das munter soll man nicht wörtlich nehmen, da mein Knie schmerzt, besonders in der ersten halben Stunde. Danach scheint das Gelenk genügend geschmiert zu sein, die Schmerzen lassen nach.

Wir fahren heute nach Altamura. Das Wetter ist sonnig, auf den schmalen aber guten Landstraßen gibt es kaum Verkehr. Schon jetzt, am ersten Tag zeigt sich, wie falsch die Information ist, dass Apulien flach ist. Sie kommt sicher von Urlaubern, die an der Küstenautobahn von Norden nach Brindisi eilen. Dort ist es flach, im Gegenteil zu dieser Hügellandschaft, die wir jetzt durchqueren, und wo manche der Hänge recht steil ausfallen. Übrigens wird dieses Land in den Büchern als zauberhaft beschrieben, dem entsprechend

hoch ist unsere Erwartung. Was wir aber hier vorfinden, ist nüchtern betrachtet weniger begeisternd, viel Wiese, wenig Acker, überall zerfallen irgendwelche verlassene Wirtschaftsbauten neueren Datums, viele Strom- und Telefonmasten, in den Straßengraben liegt auffallend viel Müll. Was wahrlich zauberhaft ist, das sind die Wiesenblumen, die jetzt üppig blühen. Gelb ist die herrschende Farbe, aber auch Weiß, Rot und Blau sind reich vertreten.

Nach einer langen Steigung erreichen wir Altamura, an diesem warmen Sonntagnachmittag verschlafen und menschenleer. Obwohl die Stadt recht groß ist, haben wir Schwierigkeit eine Bar zu finden, die nicht geschlossen ist. Keine einladende Stimmung, die wir hier vorfinden, aber wir sind müde, die 55 Kilometer am ersten Tag soll uns genügen. Wir suchen ein Hotelzimmer und legen uns zum Mittagsschlaf hin.

Altamura

Später, am frühen Abend, nachdem ein Gewitter die Hitze vertrieben und die Luft gereinigt hat, gehen wir hinaus die Stadt zu besichtigen. Die Stadt ist wie verwandelt, voll mit festgekleideten, flanierenden Menschen, die jetzt die Straßen mit Leben füllen.

Altamura hat zwei sehenswerte Kirchen, die Cattedrale S. Maria Assunta, die Friedrich der II. aus der eigener Tasche erbauen ließ, und die Chiesa S. Nicolò dei Greci, die sich mit einem mit biblischen Szenen reich dekorierten Portal auszeichnet.

Cattedrale S. Maria Assunta in Altamura
Chiesa S. Nicolò dei Greci in Altamura

Eine städtebauliche Besonderheit bilden in Altamura die sogenannten claustri. Es sind kurze Sachgassen, die am Ende sich zu einem kleinen Platz erweitern. Früher bildeten die Einwohner eines solchen claustro eine Art Wohngemeinschaft.

An einer der Altstadtgassen, an dem Corso Federico II., wird das Abendkorso veranstaltet. Jung und alt, Familien mit Kindern schlendern an der einen Straßenseite hinab, am Ende der Straße drehen sie sich um, wechseln die Straßenseite und laufen der Straße hinauf. Und wiederholt das, immer wieder und wieder. Es ist ein Ritual, wie ein Gesellschaftstanz, wobei sich jeder mit jedem trifft, eine kurze Begrüßung, ein freundlicher Wink, dann geht es weiter.

Den schönen Tag lassen wir in dem empfehlenswerten Lokal "Tre Archi" ausklingen.

Claustro in Altamura