San Pietro - Gallipoli

Küstenstraße, Golfo di Taranto
Donnerstag, den 18.05.2006

Im dem selben Hotel wie wir hat auch eine Gruppe Radler aus Amerika Quartier genommen. Es ist eine organisierte Reisegruppe unter italienischer Führung, seit zwölf Tagen unterwegs. Sie fahren allerdings nicht im Pulk, sondern wie sie wollen. Sie bekommen von der Reiseleitung eine Karte und Unterweisung. Damit die Orientierung noch einfacher wird, fährt ein Organisator mit Auto vor und markiert mit weißen Kreidepfeilen die Straße. Da sie heute, wie wir, nach Gallipoli fahren, können auch wir diesen Pfeilen folgen. Nicht, dass wir ohne diese Hilfe Gallipoli nicht finden würden, aber die Gruppe wird mit kleinen Schlenkern an manchen hübschen Ecken vorbei geführt, von denen wir sonst nicht erfahren hätten.

Golfo di Taranto
Wachturm am Golfo di Taranto
Unser heutiger Weg ist ähnlich wie gestern, zum Radeln einfach ideal. Meistens folgen wir der Küstenlinie, aber auch dort, wo die Straße sich ein wenig vom Meer entfernt, ist die Landschaft lieblich, südländisch. Vor Porto Cesareo überqueren wir sogar einen richtigen Kiefernwald, hier recht selten.
Porto Cesareo

Porto Cesareo ist der größte, und wohl auch der einzige Ort zwischen Taranto und Gallipoli, der ein vom Tourismus unabhängiges Eigenleben hat. Die Straßen sind lebhaft, die Geschäfte offen, in dem Hafen viele Fischerboote. Die Fischer sind dabei, an dem Pier ihren recht schmalen Fang an den Mann zu bringen.

Von Porto Cesareo bis Gallipoli ist die Küste etwas urbaner, auch in der Vorsaison bewohnt.

In Gallipoli machen wir uns das Hotelsuchen einfach: Wir folgen den weißen Pfeilen. Wir denken, was den Amerikanern gut ist, kann uns auch gefallen. So ist es dann auch. Das "Hotel Spinole" liegt zentral, zehn Minuten zu Fuß von der Altstadt entfernt.

Gallipoli

Die Lage der Stadt zeigt viel Ähnlichkeit mit der von Taranto. Auch hier liegt die Altstadt auf einer Insel, die auch hier wie dort von einem mächtigen Castell bewacht wird. Sogar der Name der Befestigungen ist gleich, beide heißen Castello Aragonese, da sie im 15. und 16 Jahrhundert, in der Zeit der Herrschaft der Aragonesen, erbaut wurden. Damit hört aber die Ähnlichkeit mit Taranto auf. Die Altstadt von Gallipoli ist nämlich bestens restauriert und befindet sich in einem exzellenten Zustand.

Castello Aragonese in Gallipoli

Die kleine runde Altstadtinsel mit ihren nur etwa 300 Meter Durchmesser ist vollkommen mit Stadtmauern befestigt. Durch den geringen Platz ist die Bebauung recht eng, die Gassen bilden ein verwirrendes, aber romantisches mittelalterliches Netz. Trotz dieser Enge besitzt die Altstadt nicht weniger als acht Kirchen, von denen die größte, die Cattedrale Sant'Agata mit ihrer prächtigen Barockfassade besonders sehenswert ist.

Cattedrale Sant'Agata, Gallipoli

Wir sitzen auf einer Bank an der Uferstraße und schauen zu, wie die rote Sonne im Westen im Meer ertrinkt. Danach gehen wir gut gelaunt ins Fischlokal "Al Pescatore", wo wir ausgesprochen gut und preiswert dinieren.

Gallipoli

Diesen schönen Tag möchte ich nicht negativ ausklingen lassen, und eigentlich gehört das, was ich hier jetzt erwähne, auch nicht nur zum heutigen Tag, sondern entspricht der Erfahrung der letzten Tage. Ich mag Italien und die Italiener, es sei fern von mir, nach typisch deutscher Art mich über die fehlende Sauberkeit in Italien zu mockieren, aber es ist nicht möglich zu übersehen, wie Süditalien zugemüllt ist. Man begegnet laufend Menschen, die ohne sich umzuschauen Dinge wegwerfen: Getränkedosen, Plastikflaschen, Papiertüten, Zigaretten, Essensreste. Noch schlimmer ist es außerhalb der Ortschaften. Dort liegt - außer diesem "normalen" Müll - jede Menge Sperrmüll: Kühlschränke, Badewannen, TV-Geräte, Möbel, Bauschutt, einfach in den Graben gekippt. Auch diese herrliche Sandstrände bestehen nur halb aus Sand, die andere Hälfte ist Dreck, wie ich es sonst noch nie gesehen habe.

Wir haben beispielsweise heute nachmittag beobachtet, wie Kinder in der Altstadt von Gallipoli mit einem alten rostigen Eisenbett Trampolin spielten. Als sie genug davon hatten, haben sie das Ding über die Stadtmauer ins Meer geschmissen. Trotz den vielen Spaziergängern hat kein Mensch sie ermahnt, geschweige denn diese Tat verhindert. Da muss der Sonnenuntergang schon besonders großartig sein, so etwas milde lächelnd zu übersehen.

Hier doch noch einige Bilder von der schönen Seite von Gallipoli:

Spät am Abend findet sich in der Nähe des Hotels eine politische Wahlveranstaltung mit Rockmusik statt, durch die die ganze Stadt beschallt wird. Die Musik ist gar nicht schlecht, aber der Redner schreit sich so in Rage, dass mit ihm verglichen Adolf als ein besonnener und sachlicher Vortragskünstler betrachtet werden könnte. Es ist Mitternacht, als dieser Wechselgesang von Pop und Geschrei zu Ende geht.