Lecce - Brindisi

Montag, den 22.05.2006

Das Beste an unserer Unterkunft ist die phantastische Lage der Terasse, wo wir heute früh unser Frühstück serviert bekommen. Von der nur auf Armlänge entfernten Kirchenfassade der San Giovanni Battista schauen uns die Heiligen beim Kaffeetrinken zu.

Terasse im Pension "Prestige", Lecce

Wir besuchen noch einige der Kirchen und Paläste, die wir gestern nicht gesehen haben, wie die Santa Chiara und die Santa Croce, beide sind ähnliche Barockwunder, wie der Dom. Ob ich mit der Zeit mit dem hiesigen Barock Frieden schließen würde?

Santa Chiara, Lecce
Santa Croce, Lecce
Santa Croce, Lecce
Santa Croce, Lecce
Palazzo dei Celestini, Lecce
Palazzo dei Celestini, Lecce
Palazzo dei Celestini, Lecce

In der Stadtmitte auf der Piazza San Oronzo steht der namengebende Heilige auf einer hohen römischen Säule. Diese Säule stand mit ihrer Zwillingsschwester bis 1666 in Brindisi, wo die beiden das Ende der Straße Via Appia markierten. Seitdem sind sie getrennt. Die Südseite des Platzes ist von dem Halbkreis eines römischen Amphitheaters eingenommen. Auch vor zweitausend Jahren - wie heute - war hier das Zentrum der Stadt.

Piazza San Oronzo mit dem römischen Amphitheater








Den Weg aus der Stadt finden wir auf Anhieb. Wir fahren zurück auf die Küstenstraße und dort weiter - auch heute mit leichtem Rückenwind - nach Norden. Obwohl diese Straße auf der Karte rot markiert ist, und gestern hier noch die Sonntagskaravanen sich schoben, ist es heute himmlisch ruhig, kaum Verkehr, wie für Radler geschaffen.

Die vielen kleinen Badeorte, die wir passieren, machen auf uns einen ziemlich trostlosen Eindruck. Natürlich sind verlassene Badeorte immer trostlos, aber hier stehen massig Sommerhäuser und Appartements, die, in Billigbauweise erstellt, schon verkommen, bevor sie ganz fertig sind. Und Müll, Müll, Müll!

Unabhängig von diesen Badeorten gefällt uns die Gegend recht gut: Viel Oliven, später auch Wein, und vor Brindisi radeln wir kilometerlang nur an Artischockenfeldern vorbei.

Obwohl ich vor etwa zwanzig Jahren schon Mal in Brindisi war, kommt mir jetzt hier alles ziemlich unbekannt vor. Trotzdem finden wir den Zugang zu der Innenstadt relativ leicht. Ich kann mich allerdings noch erinnern, dass damals auf der Hauptstrasse Corso Garibaldi und auf der anschließenden Piazza Vittorio Emanuele der absolute Verkehrs-Chaos herrschte. Jetzt ist es eine mit hellen Steinplatten neu gepflasterte Fußgängerzone mit Palmenallee, Cafés und Boutiquen, eine Oase der Ruhe und Entspannung.

Corso Garibaldi, Brindisi
Corso Garibaldi, Brindisi

Das Hotel Alstair, wo wir absteigen, ist ein ehemaliges Stadtpalast. Das Zimmer ist außergewöhnlich groß und hat ein hohes Gewölbe. Das Bad ist eine Box aus Gipskartonplatte, wie ein Schuhkarten in die Ecke gestellt.

Wir genießen die lebendige und freundliche Stimmung der Altstadt, indem wir ohne Eile über die alten Gassen und Plätze schlendern. Es sind kaum Touristen unterwegs, obwohl Brindisi auch den Fremden viel zu bieten hat.

Von dem alten Hafenkai führt eine breite Treppe zum Ende der ehemaligen Via Appia, wo die schon erwähnte römische Säule steht, deren Zwillingsäule nach Lecce gebracht wurde. Die Gasse hinter der Säule führt uns auf die Piazza Duomo, die von zahlreichen, besonders schönen Bauten eingerahmt ist. Der Dom, um 1100 erbaut, wurde nach mehreren Erdbeben bis in die Barockzeit wiederholt umgestaltet. Ähnlich wie in Otranto war auch hier der Boden mit Mosaiken bedeckt, wovon heute aber nur einige Fragmente erhalten geblieben sind.






Cattedrale di San Giovanni Battista, Brindisi

An der Nordseite des Domplatzes ist das Portico dei Cavalieri Templari, ein Bau aus dem 13. Jahrhundert. Brindisi war damals der wichtigste Ausgangshafen für die Kreuzfahrer, und alle Ritterorden - so auch die Templer - hatten in Brindisi Niederlassungen.

Portico dei Cavalieri Templari

Dem Dom gegenüber ist die Loggia Balsamo zu sehen, ein steinerner Balkon, dessen Konsolen mit bizarren Menschen- und Tiergestalten geschmückt sind.

Loggia Balsamo
Tempio di San Giovanni al Sepulcro

Etwas weiter versteckt sich die über 800 Jahre alte kleine romanische Rundkirche Tempio di San Giovanni al Sepulcro, die der Grabkirche in Jerusalem nachempfunden wurde. Das niedrige Portal ist reich mit romanischen Skulpturen geschmückt.

Tempio di San Giovanni al Sepulcro
Tempio di San Giovanni al Sepulcro
Tempio di San Giovanni al Sepulcro
Tempio di San Giovanni al Sepulcro
Tempio di San Giovanni al Sepulcro

Eine ganz besondere Erwähnung verdient die Abtei San Benedetto, ein Benediktiner Kloster aus dem 11. Jahrhundert. Nicht nur die Kirche selbst mit dem romanischen Seitenportal ist bewundernswert, auch der vollständig erhaltene kleine Kreuzgang mit seiner filigranen Intimität ist ein Ort der Besinnung und Meditation, besonders dann, wenn - wie jetzt - in der frei zugänglichen Kirche und dem Kreuzgang wir die einzigen Besucher sind.

Chiesa San Benedetto
Chiesa San Benedetto
Chiesa San Benedetto, Kreuzgang
Chiesa San Benedetto, Kreuzgang

Dass Brindisi nicht frei von den Deformationen ist, die von dem Fremdenverkehr verursacht werden, erfahren wir am Abend, als wir essen gehen. In einem der einfachen Lokale werden wir förmlich reingezogen, und der Wirt will über Gerichte, die wir bestellen wollen, gar nicht mit uns reden, er will uns nur das teuerste Fischmenü mit dem teuersten Wein bringen, nicht als Empfehlung, sondern als einzige Möglichkeit, zu der er uns drängt. Wir verlassen das Etablissement. In der nächsten Taverne wird uns auch nur eine goldgedruckte englische Fischkarte gezeigt. Erst als wir eine normale italienische Speisekarte verlangen, wird die uns ausgehändigt. Danach läuft allerdings alles bestens und wir können exzellent speisen, wie es in Italien üblich ist.