Brindisi - Ostuni

Dienstag, den 23.05.2005

In dichtem Verkehr, aber ohne besondere Probleme, verlassen wir die Stadt. Nur wenige Kilometer weiter steht am Rand des Flughafens ein Schmuckkasten von einer Kirche, die Santa Maria del Casale, die um 1300 an der Grenze von Romanik und Gotik erbaut wurde. Die Mauern aus weißen und gelben Steinen zeigen eine Art dekoratives Webmuster, die die gesamte Wandfläche überzieht. Über dem Portal ragt ein schützender Baldachin hervor.

Santa Maria del Casale
Besonderes Interesse verdienen die Fresken aus dem 14. Jahrhundert, die früher den gesamten Innenraum schmückten, aber auch die heute noch vorhandenen biblischen Bilder mit ihren leuchtenden Farben übertreffen vieles, was wir bis jetzt gesehen haben. Kaum zu glauben, aber auch hier sind wir mit diesen großartigen Kunstwerken allein, keine Aufsicht, kein Besucher, nur wir und der liebe Gott.
Santa Maria del Casale
Santa Maria del Casale
Santa Maria del Casale
Santa Maria del Casale

Vor der Kirche lugt aus einer Mauerritze ein neugieriger Mauergecko hervor. Ich habe so ein Tier bis jetzt nur im Zoo gesehen. Ein Foto ließ er leider nicht von sich machen.

Wir folgen der Küstenstraße bis Posticeddu, dann der schmalen Nebenstraße nach Serranova und Carovigno. Es ist sehr heiß, ein öffentliches Thermometer zeigt 35oC. Wir trinken Unmengen von Wasser, trotzdem benötigen wir immer öfter eine Pause, am Ende des Tages jede Viertelstunde. Die letzten 10 - 20 Kilometer vor Ostuni sind eine einzige Schinderei. Wir wussten es nicht, dass auch nur 100 Meter so ungeheuer lang sein können.
Vor der Stadt steigt es kaum sichtbar, aber lang, und als dann schon im Stadtgebiet von Ostuni eine kurze, aber steile Rampe vor uns sich türmt, bekommt Suzanne nur 200 Meter vor dem Ende der Steigung eine Kreislaufschwäche. Sie muss sich hinsetzen, es geht nichts mehr.

Nachdem sie sich erholt hat, suchen wir unsere Unterkunft, die Villa Rosa. Wir erfahren, dass sie außerhalb der Stadt liegt, etwa anderthalb Kilometer steil abwärts. Damit steht uns fest, dass wir die schöne alte Stadt Ostuni nicht besuchen können, weil nach dem heutigen Hitzeschlacht uns keine noch so schöne Versprechungen dazu bringen könnten, in die Stadt wieder hoch zu fahren.

Villa Rosa, Ostuni

Die Villa Rosa ist ein gefälliger Neubau in einem Olivenhain. Der Hausherr, Signore Pasquale Calamo ist uns von dem ersten Augenblick an sehr sympathisch. Er ist ein großer Lokalpatriot, dem sehr viel daran liegt, Ostuni bekannt und beliebt zu machen. Er versorgt uns mit Informationsmaterial über die Stadt und fragt, ob wir vielleicht am Abend in die Stadt wollen, er fährt uns schnell hin und holt uns später wieder ab. Natürlich wollen wir das!

Ostuni, Altstadt

So kommen wir also doch noch in den Genuss, Ostuni kurz zu besichtigen. Die weiß getünchte Stadt auf einem hohen Hügel ist von dem spätgotischen Cattedrale Santa Maria Assunta gekrönt. Am Fuß der Erhebung ist der zentrale Hauptplatz Piazza della Libertà mit einer Sant'Oronzo-Säule und dem Rathaus. Die steilen Gassen und Treppen, die zu der Kathedrale hochführen, bilden ein verwirrendes Labyrinth, in dem man als Fremder sich leicht verirren kann.

Ostuni, Altstadt
Ostuni, Piazza della Libertà
Ostuni, Piazza della Libertà
Ostuni, Piazza della Libertà

Auf die Empfehlung von Signore Pasquale besuchen wir die Osteria del Poveruomo, wo uns eine ausgezeichnete Fischplatte serviert wird. Nach einem Anruf werden wir von ihm anschließend abgeholt. Auf dem Weg nach Hause macht er mit uns einen großen Umweg, damit wir die nachts festlich beleuchtete Stadt von verschiedenen Perspektiven bewundern können.