Conversano - Bitonto

Freitag, den 26.05.2006

Auf der Landstraße nach Rutigliano ist ziemlich viel Verkehr, aber sie hat einen breiten Seitenstreifen, wir können also ohne Gefahr dort radeln. Es entspricht übrigens unserer Erfahrung, dass eine enge, mäßig befahrene Straße für Radfahren oft unangenehmer ist, als eine breitere Schnellstraße mit viel Verkehr. Natürlich ist Autoverkehr immer unangenehm. Jetzt bläst uns auch noch eine fast stürmischer Wind entgegen, als Beweis für die Richtigkeit des Spruchs, nach dem Apulien "das Land aus Meer und Wind" ist.

Weinfelder um Rutigliano

Rutigliano wird die "Stadt der Traube" genannt, und um die Stadt, so weit man sehen kann, ist alles mit Reben kultiviert. Die hohen Rebstockreihen sind gegen die Vögel mit Kunststoffnetz oder Plastikfolie richtig eingepackt. Ist etwa der Verpackungskünstler Christo hier gewesen?

Portal der Cattedrale von Rutigliano



Adélfia, Sanicandro, Bitetto, Palo ... Es herrscht erstaunlich viel Verkehr, die Großstadt Bari ist ja ganz in der Nähe. Trotzdem sind diese Städte etwas provinziell, für uns ziemlich ähnlich.





Bitetto

Adélfia














Palo

Die uralte ehemalige Bischofsstadt Bitonto ist dagegen einer der Höhepunkte unserer Reise. Die relativ kleine Altstadt mit den engen Gassen, Kirchen und Palästen ist ein besonders lohnendes Tagesziel.

Piazza Cavour, Bitonto

Die Verbindung zwischen Alt- und Neustadt ist die Piazza Marconi mit dem Stadttor Porta Baresina. Von diesem Bauwerk ist allerdings heute wenig zu sehen, da sie von einem vorgebauten Podium und von einem Lichtgerüst verdeckt ist. Auf dieser Bühne ist eine Kirchenveranstaltung mit Predigt, Gesang und viel Publikum zu Gange.
Porta Baresina, Bitonto
Chiesa del Purgatorio, Bitonto

Vorbei an der Chiesa del Purgatorio, die ein mit makabren bekrönten Skeletten dekoriertes Portal hat, kommen wir zu der Cattedrale San Valentino. Sie wurde vor 1100 erbaut und seit dem wenig verändert. So zeigt sie den romanischen Baustil in besonders reiner Form. Die seitliche Südfassade mit offenen Bögen und Arkaden verleiht diesem an für sich massigen Stil eine besondere südländische Leichtigkeit. An der Westfassade wird die ungewöhnlich große Höhe des Mittelschiffs mit kräftigen vertikalen Wandleisten, mit sogenannten Lisetten akzentuiert. Auch die besonders hoch platzierte Fensterrose dient dieser optischen Erhöhung.

Cattedrale San Valentino, Bitonto
Cattedrale San Valentino, Bitonto

Auch der Innenraum hält, was die Außenansicht verspricht: Ein hohes Mittelschiff, niedrigere Seitenschiffe mit Tonnengewölbe, die Säulenkapitele sind mit Akanthusblättern verziert, alles hohe romanische Kunst. Auch die Kanzel und das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert sind von außergewöhnlicher Schönheit.

Kanzel, Cattedrale San Valentino
Treppenwange der Kanzel, Cattedrale San Valentino

Das ist aber nicht alles, was einen Besuch in der Kathedrale zum großen Erlebnis macht. In der Krypta unter der Kirche überrascht eine Vielzahl von antiken Säulen, die aus einem römischen Minervatempel stammen. Und damit noch immer nicht genug: Die vor einigen Jahren durchgeführten Ausgrabungen haben die Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem 5. Jahrhundert zum Tage gefördert. Besonders das Mosaikbild eines Greifs ist wunderbar erhalten geblieben.

Cattedrale San Valentino

Cattedrale San Valentino
Cattedrale San Valentino

Übrigens es ist der große Vorteil der Nebensaison, dass ein sympathischer und sachkundiger Priester uns ganz allein durch die Kirche führt.

In Apulien werden die Namenspatronen der Städte groß gefeiert. Dazu sind aufwendige Lichtinstallationen auf großen Holzgestellen montiert. Am Abend sind die bunten Lichter ganz lustig, aber tagsüber "verschönern" diese Gestelle manche historischen Bauwerke.

Abend in Bitonto