Bitonto - Castel del Monte

Samstag, den 27.05.2006

Es ist heute unsere letzte Etappe. Dem entsprechend ist unsere Stimmung zwiespältig. Einerseits ist es schön, diese lange Rundreise ohne Probleme absolviert zu haben. Andererseits bin ich immer ein wenig melancholisch, wenn eine schöne Reise zu Ende geht.

Olivenfelder nach Bitonto

Am Anfang des Tages radeln wir auf einer einsamen schmalen Nebenstraße fast ohne Autoverkehr, um uns ausgedehnte Olivenfelder. So macht es Spaß, so kann es weiter gehen!

Zentrum dieser ländlichen Gegend ist Terlizzi, die uns mit dem großzügigen Piazza Cavour überrascht. Hinter dem mittelalterlichen Torre Normanna liegt die verwinkelte pittoreske Altstadt. Etwas unpassend in dieser Umgebung ist die an sich sehenswerte klassizistische Cattedrale di San Michele Arcangelo.

Terlizzi

Nach einer kurzen Pause setzen wir unseren Weg fort. Auf uns wartet Ruvo di Puglia mit seiner romanischen Kathedrale.

Ruvo, eine vorrömische Gründung, wurde schon von Horaz als Station auf der Via Traiana erwähnt. Nach der Legende wurde der erste Bischof von Ruvo persönlich vom Heiligen Petrus eingesetzt. Das lebhafte hübsche Städtchen war schon in der Römerzeit wegen den besonders formschönen und bebilderten Vasen, die hier hergestellt wurden, bekannt. Als am Anfang des 19. Jahrhunderts das Sammeln antiker Gegenstände in Mode kam, wurden die Felder um Ruvo regelrecht durchwühlt. Heute sind viele römische Sammlungen in der ganzen Welt auch mit Fundgegenständen aus Ruvo bestückt. Eine der wichtigsten dieser Sammlungen ist allerdings hier in Ruvo zu sehen. Es entstammt der Privatsammlung der Gebrüder Jatta, die 1840 für ihre Vasensammlung ein Museum bauen ließen. Heute ist es das Archäologische Nationalmuseum Jatta. In dem palastartigen Gebäude nimmt die etwas altmodische Sammlung nur vier Räume ein, allerdings mit über 2000 erstklassigen Einzelstücken.


Archäologische Nationalmuseum Jatta, Ruvo di Puglia
Archäologische Nationalmuseum Jatta, Ruvo di Puglia
Archäologische Nationalmuseum Jatta, Ruvo di Puglia

Die andere Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist die romanische Cattedrale Santa Maria Assunta, die am Ende des 12. Jahrhunderts auf Veranlassung von Friedrich II. errichtet wurde. Spätere Ergänzungen haben die Westfassade in ihrer Proportion etwas verändert, aber die Kirche ist auch so ein wunderbares Meisterwerk der Romanik. Das prächtige Hauptportal ist mit figürlichen Darstellungen reich verziert.

Cattedrale Santa Maria Assunta
Cattedrale Santa Maria Assunta
Cattedrale Santa Maria Assunta
Die restliche Strecke zurück zur Masseria, wo unser Auto steht, ist wieder ziemlich gewellt. Es ist wieder heiß geworden und so sind wir froh, als Castel del Monte vor uns auftaucht. Die Wiesen, die vor zwei Wochen in allen Farben blühten, zeigen keine einzigen Blumen mehr, das Gras neigt ins Gelbe, in der Luft liegt heißer Staub. Trotzdem ist es am Abend wie ein Heimkehr, die Rundreise ist gut geglückt, wir sind froh und zufrieden.

Castel del Monte im Sicht
PS: Das Abendessen, das sich wieder stark verzögert, ist diesmal unterstes Kantinenmaß. Zwar sind es scheinbar die selben Gerichte wie am ersten Tag, aber wenigere Gänge, lieblos zubereitet, muffig auf den Tisch geworfen. Frühstück bekommen wir am nächsten Morgen, obwohl bezahlt, trotz wiederholter Reklamation überhaupt nicht. Und als "geringfügiges Parkgebühr" für den Wagen, das wir leider nicht voraus ausgehandelt haben, wird eine Summe berechnet, wofür ich auf dem Münchener Flughafen länger parken könnte. Wie steht es in unserem Reiseführer? Die Agroturismo-Unterkünfte in der Nähe von Castel del Monte sind nicht zu empfehlen. Dazu ist nichts hinzuzufügen.