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Von Palm Coast nach Ocala National Forest
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Mittwoch, den 04.02.2004
Wir wollen heute vormittag ein wenig die Beine vertreten. Das ist hier nicht ganz einfach, da die hiesigen Landschaftsverhältnisse anders sind, als bei uns zu Hause. In Deutschland kann ich überall, wo es schön ist, anhalten und eine Runde laufen. Hier gibt es keine gewachsene ländliche Infrastruktur mit Feldwegen, wie bei uns. Alles wurde relativ spät aus der unwirtlichen Wildnis heraus kultiviert. So kann man heute in Florida drei Arten von Landschaften unterscheiden. Erstens den naturbelassenen Sumpf und Wald, ohne Wege, unpassierbar. Zweitens Privatgrund, nur selten eingezäunt, aber für Fremde nicht zu betreten. Und drittens Wege und Straßen, meistens ohne Randstreifen, Fußgänger sind nicht vorgesehen. Ausnahmen von dieser Normalität bilden die Naturparks und Schutzgebiete, wo an dafür angelegten Wegen und im sehr kontrollierten Rahmen verschiedene Aktivitäten, wie Spazieren, Wandern, Radeln oder Bootsfahren möglich sind. Wir finden südlich von Palm Coast am Rande eines Kanals so einen geschützten Waldstreifen mit einem Feldweg. Es ist ein Microparadies unter großem immergrünen Eichen, deren Äste mit grauem Spanish Moss behangen sind.
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Dazwischen wachsen die Sabal-Palmen, die Nationalbäume von Florida, die gern neben den Eichen siedeln, wobei die flachen Wurzeln der beiden Spezies sich richtig ineinander verflechten. Der Boden unter den Bäumen ist mit Needlepalmen bewachsen, deren fächerförmige Blätter vollendete graphische Wunderwerke sind. Wo die Sonnenstrahlen den Boden erreichen, wachsen blühende Wildkräuter, deren Duft die großen schwarzweißen Zebra-Longwing-Schmetterlinge anlockt.
Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns von den lieben alten Herrschaften und fahren nach Westen ins Landesinnere zum Ocala National Forest, mit etwa 150000 Hektar einer der großen Schutzgebiete.
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Kaum, dass wir die Küste verlassen, ändert sich das Bild. Zwar sind die Straßen auch hier großzügig angelegt, aber die "Ortschaften" sind oft nur eine Tankstelle oder ein Supermarkt, davor und dahinter stehen am Straßenrand irgendwelche Baracken, die mal Wohnhäuser, mal Werkstätte, Lager oder Lokale sind, alles etwas merkwürdig, und wenn ich nicht wüsste, dass die USA das reichste Land der Erde ist, würde ich den Gegend als arm bezeichnen. Dazwischen stehen ähnlich unschöne Bretterkaten, die die Schilder davor als Kirchen bezeichnen. "Lächele, wie Jesus!" - steht auf einem der Transparente und ich überlege mir, wie Jesus lächelt, aber ich kann mich nicht erinnern, je eine lächelnde Darstellung des Gottessohnes gesehen zu haben.
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| Wir besuchen ein Supermarkt, mehr aus Neugier als aus Kauflust. Ich finde es immer interessant, in fremden Ländern die Supermärkte zu inspizieren. Zwanzig Regalmeter Cornflakes oder zehn Regalmeter Maissirup, wie hier zu finden ist, habe ich noch nie gesehen. Die Packungen sind viel größer als bei uns. Wir müssen beispielsweise lange suchen, bis wir eine Milchflasche von etwa einem Liter finden. Normal ist hier für Milch ein Kanister von einer Gallone; das sind immerhin 3,8 Liter. Als ob diese Mengen nicht ausreichend wären, sind fast alle Waren mit Preisschildern versehen, wie 2/5 oder 10/3. Das bedeutet 2 Packung für 5 $ oder 10 Stück für 3 $. Wie viel ein Stück oder eine Packung kostet, das erfährt man erst an der Kasse. In der Regel kostet eins kaum weniger, als die |
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angebotenen zwei. Dem entsprechend wird dann eingekauft. Die übergroße Einkaufswagen werden so vollgepackt, als wenn die Leute nicht einkaufen, sondern umziehen wollten. Wenn das alles aufgegessen wird, braucht man nicht darüber zu wundern, dass so viele Menschen hier ziemlich übergewichtig sind. Obwohl es heute nicht besonders heiß ist, hält jeder zweite Kunde beim Einkaufen einen großen Pappbecher Cola oder andere süße Getränke in der Hand. Wir sehen hier viele Männer, die kaum höher sind, als breit, begleitet von ihren passenden Frauen und nicht minder wohlernährten Kindern.
Vor den Häusern, auf den Autos, auf der Kleidung als Sticker, überall weht die amerikanische Fahne. Dieser schon immer vorhandene Patriotismus wurde durch den 11.09. nur gesteigert. Auch aus diesem Grund war die Irrsinnstat der Terroristen völlig bescheuert. Wenn ich jetzt so einen zehnjährigen Jungen anschaue, der von seinem mit Fahne und Adler volltetowierten Vater in Militärkampfanzug eingekleidet wurde, brauche ich keine prophetische Begabung um es voraus zu sagen, dass Busch die anstehende Wiederwahl haushoch gewinnen wird.
Später besuchen wir einen dieser einfachen volkstümlichen Lokale am Straßenrand. Es ist gut besucht, die meisten der Gäste bestellen Sandwiches, die wie riesige Hamburger mit Garnierung aussehen. Anstelle deren
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Erfahrung zu nutzen, will ich probieren, wie ein original amerikanischer Steak ist. Nun, jetzt weiß ich: zäh.
Am Abend bauen wir unser Zelt in dem Campground der Juniper Springs Recreation Area auf. Die Standplätze sind großzügig bemessen, alle Plätze haben eigenen Tisch mit Sitzbänken, Grill, Feuerstelle für Lagerfeuer und eine Art Galgen, wo man das Müll hoch hängen soll, damit die wilden Tiere es nachts nicht wegholen. Hier soll es nämlich nicht nur Waschbären, sondern auch richtige Schwarzbären geben.
Ich bin bis jetzt nur einmal in Amerika gewesen, in San Francisco. Man sagt, das wäre gar nicht Amerika. So gesehen sind diese Tage die ersten, die ich richtig in den USA verbringe. Wenn ich meine ersten Eindrücke zusammenfassen soll, dann so: In Amerika ist alles größer als bei uns, die Entfernungen, die Lebensmittelpackungen, der Patriotismus, die Autos, der Bauchumfang der Menschen, alles.
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