Juniper Springs - Palm Coast

Sonntag, den 08.02.2004

Heute Nacht soll es 32oF gewesen sein; das wäre nach Celsius null Grad. Es ist bestialisch kalt. Ein Nachbar erzählt uns schmunzelnd und augenzwinkernd, dass er heute früh neben seinem Wohnmobil einen Eisbär gesehen hat.

Wir verabschieden uns von diesem schönen Wald. Heute fahren wir zurück nach Palm Coast, da eine andere Tante aus New Jersey angereist ist, um uns zu treffen. Tante Elsa ist Mitte 60, und seit ihr Mann verstorben ist, lebt sie mit sieben Hunden und elf Katzen "allein".

Unterwegs besuchen wir ein Frühstückslokal, wo ich das erste richtige amerikanische Frühstück meines Lebens probiere: Eier, Schinken, Toast, Jam, Butter, Kaffee und Grießbrei.

Es ist phänomenal, wie in Florida die Wildnis und die Zivilisation nebeneinander existieren, ja manchmal richtig verwoben sind. Unzählige Reier fischen unmittelbar neben der Landstraße. Über der Autobahn auf der Signalbrücke sitzen Kormorane, die in der Sonne ihre ausgebreiteten Flügel trocknen. Einmal schaut uns vom Straßenrand sogar ein riesiger Fischotter zu.

Abends koche ich für die Familie original ungarisches Paprikahuhn mit Spätzle. Es schmeckt - nicht nur mir - auch in Amerika.

Montag, den 09.02.2004

Wolkig grau und unangenehm kalt. Erst am Nachmittag trauen wir uns an die frische Luft, indem wir den nahgelegenen Bulow Plantation Ruins Historic State Park besuchen. Wo heute der naturgeschützte Wald sich verbreitet, lag am Anfang des 19. Jahrhunderts die größte Zuckerrohrplantage und Zuckermühle von Florida. Gegründet wurde sie von dem deutschstämmigen Karl Wilhelm Bulow. Der Betrieb lief nur etwa fünfzehn Jahre, dann wurde er von den Seminole-Indianern, die ihre Territorien zu verteidigen versuchten, zerstört. Heute sind nur noch einige Fundamente, die Ruinen der Zuckermühle und des Quellenhauses, zu sehen. Viel ist das nicht, aber wir sind nicht in Rom, sondern in Florida.