Wekiwa Springs - West Palm Beach

Donnerstag, den 12.02.2004

Wir Zelten hier mitten in der Natur und unsere Nachbarn sind durch Büsche getrennt 40-50 Meter von uns entfernt, aber ruhig ist die Nacht in einem solchen Camping trotzdem nicht. Die meisten Camper haben Wohnmobile, so groß wie Möbelwagen, und sie lassen die Klimaanlagen 24 Stunden am Tag laufen.

Ja, die Campingfahrzeuge in Amerika, die sind ein Kapitel für sich. Auch die etwa autobusgroße Fahrzeuge sind in der Minderheit. Die Mehrzahl der Camper fährt Sattelschlepper, 12-15 Meter lang. Da mit einem solchen Einfamilienhaus man kaum Semmel holen fahren kann, haben sie - hinten angehängt - noch zusätzlich einen Pkw, aber nicht etwa einen kleinen, sondern einen Geländewagen oder ähnliches. Dann wird der Stellplatz eingerichtet. Dazu gehören jede Menge Lichterketten, beleuchtete Neonpalmen, Delphine, Manaties, Alligatoren. Schließlich wird noch die Fahne gehisst und Feuer angezündet. Fertig ist die Laube!

Zuhause können wir es täglich lesen, wie dringend es ist, die Amerikaner dazu zu bewegen, dass auch sie die Kyoto-Protokolle unterschreiben und endlich anfangen, Energie zu sparen. Nun, wenn ich mich hier umschaue, muss ich diese Mühe als vergebene betrachten, und das noch für eine lange, lange Zeit.

Nicht, dass die Amerikaner die Umwelt nicht schonen würden, oder der Begriff Umweltschutz hier unbekannt wäre. Ganz im Gegenteil! Hier im Camping wird mit 500 $ bestraft, wenn jemand einen trockenen Zweig aus dem Wald entnimmt, oder sein Wagen nicht auf dem dafür vorgesehene asphaltierten Platz, sondern einen Meter daneben auf dem Sand abstellt. Auch die Tiere, ob Manaties, Waschbären oder Vögel, werden einzeln beschützt und behütet. Aber dass auch die Energie mit der Umwelt zu tun hat, das hat sich noch nicht umgesprochen. Energie zu verpulvern gehört zu Bürgerrechten, wie Redefreiheit. Kyoto? Was ist das?

Heute wollen wir nach Süden, möglichst weit, in Richtung Miami. Die Entfernungen sind riesig. Wenn wir vorankommen wollen, müssen wir uns ranhalten.

Der Verkehr um Orlando ist schon recht dicht, aber bald sind wir durch, danach wird es ländlicher, ruhiger. Vorbei am Alligator Lake beneide ich die Menschen, die vor ihren schönen Häusern am Ufer auch noch ein Segelboot zu dümpeln haben. Auch ich könnte hier einige Zeit angenehm verbringen.

An der Atlantikküste ist es, wie man es an schönen Küsten erwartet: Helle, breite, feine Sandstrand mit dröhnender Brandung der anrollenden Wellen, auf den Dünen neue und alte Sommerhäuser. Besonders die alten einfachen Holzvillen finden wir sehr charmant.

Wir müssen ziemlich viel suchen und herum telefonieren, bis wir in West Palm Beach ein Zimmer finden. West Palm Beach ist im Gegenteil zu dem nahen Palm Beach, dem Nobelort in Florida schlechthin, etwas herunter gekommen, aber das Hotel und das Zimmer sind akzeptabel. Eins ist klar: Südlich von hier ist es nicht so einfach im Hauptsaison, also im Winter, eine Bleibe zu finden. Camping gibt es nur wenige, und wie wir jetzt erfahren, die besten sind Monate vorher ausgebucht.

Abendessen finden wir in einem Roadhouse-Gaststätte. Das rustikale Lokal ist mit viel Holz auf Western-Stil getrimmt, die Musik ist auch aus dieser Richtung. Bevor wir uns etwas bestellen können, wird zur Begrüßung ein etwa zwei Liter fassender Zinkeimer voll Erdnüsse auf den Tisch gestellt. Die Schalen werden von den Besuchern auf den Boden geschmissen, man watet in Erdnussschale. Die Preise sind etwas gehobener, als man es nach dieser Entree vermuten würde, dafür aber bekomme ich einen phantastisch guten Roastbeef. Ich wusste bis heute gar nicht, dass es sowas überhaupt gibt. Die 250 Gramm schwere und mindestens ein Zentimeter dicke Scheibe ist himmlisch saftig und zart, sie zergeht auf der Zunge.

Spät am Abend wird vor unserem Hotel der Straßenbelag erneuert. Der schwere Rüttler schüttelt uns ins Schlaf.