Samstag, den 14.02.2004

Es ist schon erstaunlich, unter welchen Umständen man schlafen kann, wenn man müde genug ist. Die Klimaanlage röhrt wie ein Düsenjäger, aber dieses Geräusch reicht nicht, das TV unseres Nachbarn zu übertönen. Sogar Oropax erweist sich als nutzlos. Trotzdem fallen wir irgendwann in den Schlaf.

In unserem Hotel gibt es kein Frühstück, nur Kaffee, das allerdings rund um die Uhr und umsonst. So fahren wir mit dem Bus nach South Beach, wo wir ungewollt in einem Szenenlokal landen. Ich nehme einen "Europäischen Frühstück" für 9 $, und bekomme dafür einen kleinen Milchkaffee mit einem Croissant. Vornehm, vornehm. Aber ich wollte sowieso abnehmen.

Als zweiter Schritt in die gleiche Richtung mieten wir uns Fahrräder, 20 $ pro Tag und Rad. Wir werden von der Vermieter lange unterwiesen, wie man die Räder abschließt, damit sie nicht geklaut werden. Die dafür vorgesehenen dicken Kabeln weisen Spuren von Bolzenschneider auf.

Unser erster Weg führt uns auf das berühmte Ocean Drive, auf die Prachtstrasse von Miami Beach. Sie verläuft parallel mit dem Strand, nur durch einem schmalen Parkstreifen davon getrennt. Hier, auf dieser Strasse, in diesem Grünstreifen und auf dem Strand treffen sich schon am Vormittag Scharren von Menschen, die sehen und gesehen werden wollen. Die vielen Strassencafés sind voll besetzt, Luxusautos, Cabrios und Oldtimer drehen ihre Runden, Skateboardfahrer führen ihre Kunststücke vor, leicht bekleidete und entkleidete Menschen beiderlei Geschlechts lassen sich bewundern, junge Frauen, die mit komischen stelzenden Schritten ihre Gymnastikübungen vorführen, Familien mit Kindern, die ihren Picknickkorb auf dem Rasen auspacken, alte zeitunglesende Herren, uralte

Omas mit Gehhilfe, Polizisten auf Fahrrad, schwule Pärchen mit nackten Oberkörpern, Trickradfahrer, die mit dem Rad über eine Parkbank springen (und dabei furchtbar auf die Nase fallen), jedes Alter und jede Hautfarbe ist vertreten in diesem fröhlichen Theater der Eitelkeiten und der Lebensfreude.
Dann radeln langsam nach Norden dem Ocean Drive entlang.
(Hier weitere Bilder). Zwischen den Querstraßen 9th und 13th Street erstreckt sich das Art Déco District. Die meisten Bauten dieses Stadtteils sind in den 20er bis 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Art-déco-Stil erbaut worden. Entlang des Ocean Drives und dessen Umgebung prägen hunderte wunderbar restaurierte Häuser aus dieser Zeit das Stadtbild. Da viele dieser herrlichen Kunstwerke relativ klein sind, sollten viele von ihnen in den 70ern abgerissen werden, um für größere Hotels Platz zu machen. Nach jahrelangen harten Kämpfen ist es engagierten Bürgern gelungen, die Spekulanten zurück zu

drängen und diese wunderbaren Zeitzeugen zu retten. Wir sind wie erschlagen von so vielen und so stilreinen Art déco Häusern, auch dann wenn ich vermute, dass bei manchen bei der Renovierung farblich etwas zu viel des Guten getan wurde.

Später legen wir uns ins Gras und genießen das warme Sommerwetter. Ein wahrlich schönes Nachmittagsprogramm!

Heute ist in Miami Beach Bootsmesse. Als wir am Vormittag mit dem Bus in die Stadt kamen, konnten wir in Höhe von 42nd Street die auf dem Collins Canal schwimmenden Ausstellungstücke, die großen Segel- und Motoryachten sehen. Jetzt wollen wir hinradeln, aber schon auf dem halben Weg müssen wir einsehen, dass wir die Schwierigkeiten, auf den stark befahrenen Strassen zu radeln, unterschätzt haben. Wo es Gehwege gibt, kann man sie benutzen, sogar unter den Augen der Polizei, es gibt aber nicht überall Gehwege. Zwar sind die Autofahrer bestimmt rücksichtsvoll, aber hier rechnet kein Mensch damit, dass jemand sowas Verrücktes macht, außerhalb von Park- und Gehwegen Rad zu fahren. Rad ist hier nun mal ein Freizeitgerät und kein Fahrzeug. So fahren wir in die Stadt zurück, geben die Räder ab und fahren wir mit dem Bus zum Hotel zurück.