Miami Beach - Marathon

Sonntag, den 15.02.2004

Heute fahren wir weiter zu den Florida Keys. Nicht, dass wir von Miami Beach genug hätten! Ganz um Gegenteil! Wir nehmen uns vor, irgendwann einen Urlaub nur hier zu verbringen. Jetzt aber wollen wir weitere Eindrücke sammeln, die Keys, Everglades und die Westküste warten auf uns.

Die berühmten Florida Keys sind eine etwa 180 Kilometer lange Kette von über 1000 kleineren und größeren Inseln, die von der Südspitze des Festlandes in die Bucht von Mexiko einragt. Die Keys wurden erst am Anfang des 20. Jahrhunderts erschlossen, wobei der Eisenbahnkönig Henry Flagler, der auch schon in Palm Beach und in Miami Beach als Gründer und Initiator der Neuzeit tätig war, große Verdienste erworben hat. Heute sind die Inseln mit 42 Brücken verbunden, von denen die 11 Kilometer lange Seven Mile Bridge die längste ist.

Der Morgen ist grau und regnerisch. Bei dem gestrigen Prachtwetter haben wir es fast vergessen, dass es auch hier Winter ist und ab und zu regnen kann. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass auch der vielgepriesene Reichtum von Florida an Südfrüchten in dieser Jahreszeit keine Gültigkeit hat. Auch hier gibt es nur unreif geerntete argentinische Äpfel, und dieschmecken in Miami nicht anders, als im verschneiten Deutschland.

Wir nehmen von Miami Beach Abschied, in dem wir uns in einem Café für die kommenden Ereignisse mit einem American Breakfast stärken.

Wir fahren über den MacArthur Causeway nach Miami, wobei wir die phantastische Aussicht auf den Port, Downtown und die vielen kleinen Inseln genießen. Dann geht es weiter zwischen den bunten Hochhäusern des Downtowns, vorbei an den vornehmen Coral Gables und

an den Künstler- und Touristenviertel Coconut Grove. Dann folgen unendlich lange Vororte, die zwar dem Namen nach einzelne Orte sind, aber eine Trennung zwischen denen kann ich nicht erkennen. Heute ist Sonntag, in dieser frühen Vormittagsstunde ist noch wenig Verkehr, wir kommen gut voran, trotzdem dauert es seine anderthalb Stunden, bis wir nach Florida City aus der "Stadt" heraus kommen.

Und dann passiert's! Plötzlich entdecke ich, dass ich meinen Rucksack mit allem, was ich Wertvolles und Wichtiges mithabe, in dem Frühstückslokal von heute früh liegen lassen habe! Es passiert mir ein zweites mal innerhalb von neun Tagen! Überall wird man in Miami von Dieben gewarnt, wir lassen nichts im Auto liegen, und dann das! So beschränkt kann man gar nicht sein!

Nichts zu machen, wir müssen umkehren und zurückfahren in der vagen Hoffnung, dass ich den Rucksack auch diesmal wieder finde. Inzwischen hat sich der Verkehr verstärkt, für den Rückweg brauchen wir die doppelte Zeit. Aber dann ist unsere Freude groß: Der Rucksack wurde abgegeben, ich bekomme alles zurück.

Zweiter Versuch. Den Weg kennen wir ja schon. Da es in der ganze Zeit gießt und sich überall große Pfützen bilden, finden wir die Idee, heute zu zelten, immer weniger verlockend. So fängt Suzanne wieder an zu telefonieren. Erst nach einer halben Stunde finden wir in Marathon ein Apartment mit der Charme der Einfachheit für 132 $.

Übrigens die Keys sind sogar bei diesem Schmuddelwetter schön. Oft verläuft die Strasse an schmalen Landstreifen,

und obwohl der Himmel grau ist, links und rechts von uns ergießt sich milchig grün das ruhige, seichte Wasser in das Unendliche. Mit Ausnahme von wenigen naturbelassenen Flächen ist das Land gut besiedelt. Das Maritime und das Exotische ist unübersehbar: Überall sehen wir Boote, im Hafenwasser, in Gärten, am Strassenrand, auf Anhängern unterwegs. Und genau so zahlreich sind die Pelikane, die ich außerhalb vom Zoo noch nie gesehen habe. Hier sind sie ganz gewöhnlich, sie sitzen und fliegen herum, wie bei uns die Tauben.

Abends kaufen wir in einem Supermarket Seafood. Shrimps scheint hier in Florida die Volksnahrung Nr. 1 zu sein. Uns ist es recht, wir essen gern alles, was aus dem Meer kommt. Dazu trinken wir eine Flasche Wein aus Californien. Wir sind offensichtlich entwöhnt und gehen recht angeheitert schlafen.