Montag, den 16.02.2004

Es ist noch immer grau und regnerisch. So ein Pech! Vielleicht einmal im Leben komme ich nach Florida, und an dem südlichsten Zipfel des "Sunshine State Florida" regnet es!

Wir fahren weiter in Richtung Key West, und schauen bei allen Campings unterwegs vorbei, aber sie sind alle ausgebucht. Es gibt allerdings eine letzte Möglichkeit. Auf dem Sugarloaf Key, etwa 15 Kilometer vor Key West gibt es ein Camp der Campingkette KOA. In einem KOA Camping bekommt man immer einen Platz. Der Grund dafür ist relativ einfach. Erstens haben sie in der Regel ein riesiges Gelände. Zweitens kostet ein Platz an einer verregneten Wiese, wo

kreuz und quer viele Zelte nebeneinander stehen, für unser kleines Zelt 54 $ pro Nacht. Ein Stellplatz für ein Wohnmobil, immerhin mit Wasser -, Strom- und Kanalanschluss, für knapp 100 $ ist dagegen direkt preiswert.

Mangels Alternative nehmen wir einen Platz auf der Wiese, bauen unser Zelt schnell auf und fahren weiter nach Key West. Den Wagen lassen wir vor der Stadt in dem Welcome Center stehen und nehmen den Shuttle Bus, womit man für 7 $ den ganzen Tag fahren kann. Inzwischen ist auch die Sonne heraus gekommen, der Tag verspricht ein schöner zu werden.

In Key West ist der Bär los. Massen von Touristen radeln, biken und laufen wie die Ameisen herum. Und wir mitten drin. Aber abgesehen von dieser abartigen Masse von Menschen ist Key West schon auf den ersten Blick richtig hübsch. Schon die Lage ist außerordentlich attraktiv. Es liegt auf einer Halbinsel,

umgeben vom leuchtend türkisblauem Wasser. Die tollen Boote im Hafen, die verspielte hölzerne Sommerhaus-Architektur, die subtropische Vegetation und die sommerlich gekleideten fröhlichen Menschen bedienen alle sehnsüchtigen Vorstellungen, die ein Mensch aus dem Norden ein ganzes Leben lang mit sich trägt. "Key West ist kein Ort, sondern ein Gefühl!" - schreibt der Reiseführer, und ich gebe ihm Recht.

Natürlich wird dieses Phänomen, ob Ort oder Gefühl, nach allen Regeln der Kunst vermarktet. Auf der Hauptstrasse Duval Street ist in jedem Haus ein Lokal oder eine Geschäft, die Preise sind, milde gesagt, gehoben. (So kostet beispielsweise eine Kugel Eis 3,50 $).

Wir verbringen den Tag, indem wir kreuz und quer durch die Altstadt laufen und schauen und staunen wie die Kinder auf dem Kirmes. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nostalgischer

Natur. Ob es das Wohnhaus von Harry Truman oder von Ernest Hemingway, oder sein Lieblingslokal "Sloppy Joe's", wo er sich oft Inspiration für das Schreiben antrank, heute sind das alles Erinnerungsstücke auf vergangenen Zeiten, als Key West noch eine Insel der Künstler, Boheme und Individualisten war. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach diesen nicht mehr vorhandenen Zeiten, die jährlich Millionen Touristen hierher lockt. Ob sie noch etwas finden? Schwer zu sagen. Was trägt es zum Lesegenuss zusätzlich bei, wenn ich nicht nur "Wem die Stunde schlägt" gelesen, sondern auch Hemingway's Boxhandschuhe gesehen habe?




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