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| Dienstag, den 17.02.2004
Gestern in Key West, aber auch hier in dem Camping sind uns viele Männer aufgefallen, die so aussehen, wie Hemingway höchstpersönlich. Ich habe gelesen, dass in Key West jährlich ein Fest für Doppelgänger des Autors veranstaltet wird.
Es ist kühl und windig, das wetterbericht spricht von einem aufkommenden Sturm. Wir warten erst ab und sind unschlüssig, wie es weiter gehen soll. Dann ist es schon Mittag, wir suchen ein Lokal, aber offensichtlich in der falschen, nördlichen Richtung, wo wir keins finden. So kaufen wir in einem Supermarkt lauter feine Sachen, was
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man für ein richtiges Sandwich braucht. Wir finden am nördlichen Ende der Seven Mile Bridge eine Bank und einen Tisch für das Picknick. Danach wollen wir auf der alten Brücke, die nach dem Bau der neueren Brücke als Baudenkmal stehen gelassen wurde, zu dem einen Kilometer entfernten Inselchen Pigeon Key laufen, aber der Wind hat sich so verstärkt, dass es uns von der Brücke zu fegen droht. Gleichzeitig fängt es an zu regnen. Bei solchem Wetter macht es keinen Spaß zu laufen, man kann höchstens ein wenig herumfahren, was wir dann auch tun. Auf dem nahen No Name Key - es heißt tatsächlich so - sollen Zwerghirsche leben, eine nur hier vorkommende, vom Aussterben bedrohte seltene Art, die man dort mit Glück auch sehen kann. |
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Wir fahren also auf die besagte Insel und sehen, wie diese angeblich so seltenen Tiere sich am Straßenrand aufgereiht nach Futter betteln. Daneben parken die Autos der Touristen, die diese Hirsche, die nicht größer sind als bei uns ein Reh, aus dem Picknickkorb füttern. Dies ist zwar streng verboten, aber es wird offensichtlich nicht kontrolliert. Später lese ich, dass jährlich etwa 20 % dieser Tiere totgefahren wird, da sie bei jedem kommenden Fahrzeug auf die Strasse laufen.
Auf dem Rückweg passieren wir das Blue Hole, einen etwa hundert Meter großen kreisrunden Teich mit einem hölzernen Aussichtsplattform. Was ist hier zu sehen? Wir lassen unseren Blick über das Wasser kreisen, aber können
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nichts besonderes entdecken, bis wir dann plötzlich unmittelbar unter unserem Aussichtspunkt zwei große, furchterregende Alligatoren erblicken, die uns erwartungsvoll anstarren. Dann kommt eine Familie vorbei, Vater, eine rothaarige Mutter und fünf rothaarige Kinder. Die fangen sofort an, Steine zu sammeln und ins Wasser zu schmeißen. Offensichtlich tun sie es nicht zum ersten Mal. Die zwei Alligatoren stürzen sich mit solchem Vehemenz auf das vermeitliches Futter, dass ich richtig erschrecke. Obwohl ein Schild das Füttern unter Androhung von 500 $ Strafe verbietet, sind diese Tiere hier wie abgerichtet. Wie ich lese, Alligatoren zu füttern ist besonders verwerflich, da sie sich daran gewöhnen, dass Menschen Futter bei sich haben, und später neigen sie dazu, das erwartete Futter mit Gewalt zu holen. |
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Zurück zum Camping. Es ist noch zu früh zu schlafen, das Zelt ist klein, draußen ist es kalt und es regnet. Wir ziehen uns wie die Polarforscher an und besuchen ein "Pub" genanntes Zelt, wo man immerhin trocken sitzen und Bier trinken kann.
Mir fällt auf, dass die Menschen in Amerika sich ständig gut gelaunt geben. Sie sprechen einen freundlich an, stellen sich mit Vorname vor, fragen nach woher und wohin, und dann wird gewitzelt und gelacht, wie unter alten Freunden.
Die Mehrheit der hiesigen Camper gibt mir Rätsel auf. Uns gegenüber ist beispielsweise ein älteres Ehepaar mit einem 20-Meter-Monster von einem Mobilhome. Am Heck auf einer Hebebühne steht ein Harley. Zusätzlich auf einem Anhänger haben sie einen Mercedes der oberen Klasse. Auch wenn diese Menschen außer diesen drei Fahrzeugen nichts anderes besitzen, was mir nicht wahrscheinlich erscheint, müssen sie ziemlich vermögend sein. Was machen sie hier in einem Camping, wo ähnliche Fahrzeuge so eng an eng stehen, dass zwischen zwei Wohnmobilen kaum mehr Platz vorhanden ist, als man es für einen Campingtisch mit vier Stühlen benötigt. Das ist doch ein Widerspruch per Definition: Diese dreifach motorisierten Menschen begeben sich in eine Enge, die nur mit der Wohnsituation in einer Stadtwohnung vergleichbar ist. Wo bleibt der berühmte Freiheitsdrang und Individualismus?
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