Samstag, den 21.02.2004

Wir packen unser Zelt zusammen und fahren zum Tamiami Trail, der von Miami nach Westen führt. Diese Straße wurde 1928 zwischen der Ost- und Westküste - zwischen Miami und Tampa, daher der Name - erbaut und war die erste Strasse, die das südliche Florida erschlossen hat. Mit dem Tamiami Trail wurden die Everglades in ost-westlicher Richtung durchgeschnitten, und damit der freie Wasserabfluss nach Süden unterbunden. Erst später wurde diese Umweltsünde mit zahlreichen Wasserdurchlässe korrigiert.

Etwa 100 Kilometer westlich von Miami befindet sich das Shark Valley Visitors Center, Ziel der meisten Everglades-Besucher. Von hier führt eine etwa 20 Kilometer lange

asphaltierte, aber autofreie Strasse nach Süden, wo eine hoher Aussichtsturm steht. Man kann diese Entfernung zu Fuss, mit Mitfahrrad, oder mit einem Touristenbähnchen bewältigen.

Die Name Shark Valley ist etwas irreführend. Shark kommt von Shark River, wie der "Grasfluss" nun mal heißt, aber ein Valley gibt es hier trotzdem nicht, auch wenn diese Trail mitten im Shark River verläuft. Die höchste Erhebung in den ganzen Everglades beträgt übrigens gerade mal 2,5 Meter.

Wir wollen uns Fahrräder mieten, aber obwohl es noch relativ früh am Vormittag ist, sind schon alle Räder weg. Da ich mit meinem kranken Knie nicht viel laufen kann, begnügen wir uns mit einem kurzen Spaziergang und nehmen uns vor, morgen früh wieder zu kommen.

Als wir um Mittag zum Besucherzenter zurückkehren, ist der Park wegen Überfüllung geschlossen. Eine lange Schlange von Autos wartet darauf, dass sie, wenn ein Platz frei wird, einzeln eingelassen werden.

Weiter nach Westen. Unsere nächste Station ist das Big Cypress National Preserve, ein Rest von Sumpfzypressen, die früher die ganze Umgebung beherrschten, aber bis 1950 fast volltständig abgeholzt wurden. Zwar sind die großen Bäume sehenswert, aber die Hauptattraktion für uns ist die hiesige Fotogallerie von Clyde Butcher.

Der in Amerika berühmte Fotograph hat sich auf großformatige Bilder in scharzweiß spezialisiert, die er hier im Sumpf mit einer schrankgroßen Plattenkamera aufnimmt und auf Computer bearbeitet. Das Ergebnis zeigt eine nie dagewesene Detailgenauigkeit. (Siehe www.clydebutcher.com/)

Wir suchen uns eine Bleibe und finden es in dem Monument Lake Campground. Es ist eine einfache Wiesengelände am Ufer eines kleinen Sees. Baden sollte man hier nicht: Beim Aufstellen des Zeltes schauen uns zwei große Alligatoren aus dem Wasser interesiert zu. Nachdem das Zelt steht, fahren wir weiter nach Everglades City und Chokoloskee Island, ein kleines Dorf am südwestlichen Rand der Everglades. Im dem kleinen Hafen stehen einige Ausflugsboote, mit denen Touristen den vorgelagerten Mangrovenwälder besuchen können. Ich bin kein Freund von solchen typischen Touristeneinrichtungen, aber es ist spät am Nachmittag, auf der letzten Fahrt sind wir nur acht Passagiere auf dem 100-Personen-Schiff. Es ist ein schoner Ausflug in privater Athmosphäre. Der Captain zeigt uns viele Vogelarten, auch

Seeadler, Delphine. Wir fahren vorbei an Mangroveninseln zum offenen Meer und sehen, wie die riesige rote Sonne in die spiegelglatte Bucht von Mexiko versinkt. Der Motor des Schiffes ist abgestellt, wir erleben einen stillen, fast religiösen Augenblick.

Auf dem Rückweg zum Camping besuchen wir den Seafoodlokal "The Oar House", wo wir den Tag mit fritierten Meeresköstlichkeiten beschliessen.