Myakka River State Park - Orlando

Freitag, den 27.02.2004

Leider ist das Wetter nach wie vor schlecht. Es ist ausgesprochen kalt, heute nacht hat es wieder geregnet, das Zelt und die Matrazen sind nass, als wir sie verpacken. Das Urlaub geht langsam zu Ende. Heute geht es zurück nach Orlando, wo wir übermorgen den Heimflug antreten.

Unterwegs besuchen wir in Lakeland das Florida Southern College, ein Gesamtkunstwerk des größten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright. Wieso diese größte Ansammlung von Werken des genialen Baumeisters hier, in der Povinz steckt, und nicht in einer Großstadt zu finden ist, das hat seine typisch amerikanische Geschichte.

Das Florida Southern College ist die älteste Privatcollege in Florida. 1885 von Methodisten gegründet entsprachen die alten Gebäude mit der Zeit immer weniger den Erfordernissen der Neuzeit. So entstand der Wunsch, die Schule insgesamt neu zu gestalten und diese Aufgabe dem größten Architekten der Zeit, eben Frank Lloyd Wright anzuvertrauen. Bezahlen konnte ein Provinzcollege den Stararchitekten naturgemäß nicht. So hat man sich auf folgenden Plan geeinigt: Wright hat vollkommen freie Hand bei der Planung. Seine Arbeit wird erst bezahlt, wenn die Bauten mit Spendengeldern realisiert werden, was natürlich mit dem Namen des Architekten, und mit der Zusicherung, dass die einzelnen Gebäude nach ihren Spendern benannt werden, sich als realistische Möglichkeit der Verwirklichung erwies. So wurden im Laufe der Zeit von den siebzehn

entworfenen Einzelbauten bis heute zwölf verwirklicht. Nicht minder als die einzelnen Gebäude, ist die Gesamtgestaltung des Areals, die dieses College zu einem der sehenswertesten Objekte unserer Reise machen. Obwohl die Verbindung zur Natur eine Grundelement der Arbeit von Wright ist, hat er kein Detail dem Zufall überlassen. Jeder Baum, jedes Fenster, Türklinke, Teich, Verbindungsweg oder Treppe ist von ihm entworfen. Für manche Bauten hat er sogar besondere Mauersteine anfertigen lassen. So kann dieses Collegeprojekt eigentlich als eines der Hauptwerke von Frank Lloyd Wright betrachtet werden, und es ist mir völlig unverständlich, warum dies in den Veröffentlichungen nicht als solche gewürdigt wird. So ist diese Sehenswürdigkeit von Florida relativ unbekannt. Uns ist es recht: Wir können auf dem Gelände herum spazieren, sogar die einzelnen Gebäude betreten, bis auf eines. Ausgerechnet das Visitors Center mit einer kleinen Ausstellung ist heute nicht zugänglich, da die Räumlichkeiten für ein Seminar gebraucht werden. Nicht zu vergessen, das College ist kein Museum, sondern eine normale Uni.

Das Wetter will nicht besser werden. Als wir uns Orlando nähern, ist es grau, höchstens 3 Grad warm, und als es auch noch zu regnen anfängt,

steht für uns fest, dass das nasse Zelt im Sack bleibt und erst in Deutschland getrocknet wird. Wir nehmen auf dem International Drive in Orlando ein Hotelzimmer.

Am Abend wollen wir unsere Erfahrung mit einem Besuch beim McDonalds bereichern. McDonalds in seinem Ursprungsland, das muss man schon gesehen haben! In dem großen weitläufigen und verzweigten Holzgebäude ist der Teufel los, hunderte von schreienden Kindern rennen wie auf dem Spielplatz herum. Offensichtlich fühlen sie sich hier wie zu Hause. Bei der Bestellung finde ich mich übehaupt nicht klar. Wo ist der Hamburger? Wo der BigMac? Sie sind versteckt hinter hunderten von mexikanischen und italienischen Spezialitäten, deren Vielfalt uns die Wahl ungemein erschwert. Am Ende essen wir Wraps und Tortellni, alles schmeckt ausgezeichnet, auch

dann, wenn es uns das Gleiche in einem richtigen italienischen Lokal auch nicht mehr gekostet hätte. Die Getränke wird auch hier in Selbsbedienung ohne Limit serviert. Die Zapfstellen sind ständig belagert, die Hälfte der Getränke wird in der Gedränge verschüttet, man watet in klebrigen Pfützen. In denke, die Hauptquelle der hiesigen dicken Bäuchen und Hintern ist diese Unmenge von süßem Zeug, was hier jeder Tag und Nacht literweise in sich hinein gießt.