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2. Tag: Von Rothenburg ob der Tauber nach Gunzenhausen
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Samstag, den 21.04.2007
Gut geschlafen, gut gefrühstückt, das Wetter ist wie Sahne, der Tag wird ein Genuss!
Bevor ich weiterfahre, schaue ich die Stadt an. Dies geschieht nicht zum ersten Mal. Es ist genau zehn Jahre her, dass ich als Jakobspilger zu Fuß unterwegs nach Santiago de Compostela durch Rothenburg gelaufen bin (http://www.janoskertesz.de/Jakobsweg%202/jakobsweg-start.html). Die Stadt hat sich seit dem sich fast gar nicht verändert, nur ich bin zehn Jahre älter geworden, und über 60 zählen die Jahre bekannterweise wie Hundejahre, siebenfach. Wie auch immer, es ist schön hier. Obwohl Ostern schon längst vorbei ist, sind die zahlreichen Brunnen noch immer mit buntbemalten Eiern festlich geschmückt, wie es im ganz Franken Brauch ist. In dieser Jahreszeit gibt es relativ wenig Touristen, hauptsächlich Japaner, die hier das romantische Bilderbuch-Deutschland suchen und sicher auch finden.
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Rothenburg ob der Tauber
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Osternschmuck in Rothenburg ob der Tauber
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| Als ehemalige Jakobspilger gehe ich in die gotische Jakobskirche, wo der Heilig-Blut-Altar von Riemenschneider steht, ein Meisterwerk, dessen Besuch schon allein Grund genug ist, immer wieder nach Rothenburg zu fahren. |
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Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakob-Kirche, Rothenburg ob der Tauber
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Jakobus-Statue in der St.-Jakob-Kirche, Rothenburg ob der Tauber
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Bildnis des Jakob'schen Hühnerwunders in der St.-Jakob-Kirche, Rothenburg ob der Tauber
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Schmiedgasse, Siebersturm, Kobolzeller Tor in Rothenburg ob der Tauber
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| Ich verlasse die Stadt. Da Rothenburg ziemlich hoch liegt, senkt sich der Weg erstmal recht steil in das Tal der Tauber hinunter. Beim Gebsattel, wo der Kirnberger Mühlbach in den Tauber mündet, folge ich diesem Nebengewässer, und damit geht es wieder aufwärts. Nach Kirnberg gibt es eine Steigung um 10 %, danach hoppelt es durch friedliches Bauernland, bis ich bei Leutershausen das Mühltal erreiche. |
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Zwischen Rothenburg und Leutershausen
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Leutershausen
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| Die Altmühl ist auch hier noch ziemlich schmal, ein richtiges Tal ist es hier auch nicht, eher eine breite Ebene, viel Wiese und Getreide, ein wenig Raps, einsame Landstrassen und Wirtschaftswege, friedlich und lieb, aber ein wenig eintönig, auch wenn meine Bilder hier einen anderen Eindruck vermitteln. Die kleinen Dörfer sind weder pittoresk noch besonders sehenswert, es sind normale Arbeitsdörfer mit viel Neubau und Plastikfolie, und wenn es ästhetisch sein soll, dann ist es eine Gartenzwerg-Ästhetik. |
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Rapsfeld
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Altmühl
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Brücke bei Herrieden
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| Interessanter wird es ab dem Städtchen Ornbau. Von der im 15. Jahrhundert erbauten Stadtbefestigung sind noch große Teile erhalten, die dem Ort ein mittelalterliches, malerisches Aussehen verleihen. |
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Ornbau
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Bildstock vor der Brücke von Ornbau
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| Ab Ornbau wird aus dem Bächlein Altmühl allmählich ein Fluss. Der Radweg - nicht befestigt, aber gut zu befahren - verläuft am Ufer entlang. |
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Radweg am Altmühlufer
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| Ich nähere mich dem Altmühlsee, einem Stausee, der als Erholungsgebiet eine gewisse Bedeutung hat. Dies merkt man auch daran, dass der bis jetzt einsame Radweg immer mehr von Radlern und Spaziergängern bevölkert ist. Es ist ja Samstag und das Wetter ist sonnig und warm, wie geschaffen dafür, die Beine zu vertreten. |
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Altmühlsee
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| Am südlichen Ende des Sees liegt Gunzenhausen, wo ich ein Zimmer nehme. Die alte Marktsiedlung zeigt diese Funktion durch eine lang gezogene Hauptstrasse, die eher ein Platz als eine Strasse ist. Auch hier sind noch Mauerreste, sowie drei mächtige Türme der ehemaligen Stadtbefestigung vorhanden, aber die meisten Bauten sind leider neueren Datums. |
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Gunzenhausen
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Gunzenhausen
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| Eine fragwürdige Attraktion ist ein Glockenspiel im Stadtzentrum, ein stählerner, gläserner Turm voll mit Glocken. Im obersten Stockwerk sind Puppen zu sehen, die sich zu Glockenmusik drehen. So was meinte ich mit Gartenzwerg-Ästhetik. |
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Glockenspiel in Gunzenhausen
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Ich suche mir einen sonnigen Platz vor einem Café und beobachte, wie junge Kerle in einer Art von Autocorso ihren dröhnenden Kisten spazieren führen. Es ist schon erstaunlich, was hier in den Dörfern in manchen Scheunen herum steht. Die aufgemotzten, tiefer gelegten, verchromten Wahnsinnsdinge sind Ergebnisse von viel Arbeit und noch mehr Geld. Ob dieser Aufwand sich lohnt, um beispielsweise in Gunzenhausen bewundernde Blicke zu ernten?
Abends bin ich recht müde, so dass ich mein Abendessen in dem einfachen Hotel in dem Schankraum einnehme. Beim essen höre ich den Männer zu, die am Stammtisch diskutieren. Wie ich mitkriege, sind in den letzten Jahren mehrere Firmen in der nahen Umgebung in Konkurs gegangen. Einer der Männer hat dadurch in kurzen Abständen dreimal seine Arbeit verloren. |
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