3. Tag: Von Gunzenhausen nach Neuburg an der Donau

Sonntag, den 22.04.2007

Ich wollte heute früher losfahren, aber die Wirtin hat mich bekniet, das Frühstück etwas später zu nehmen, damit sie die Frühmesse besuchen kann. Natürlich erfülle ich ihr diesen Wunsch. Ich könnte doch nicht verantworten, wenn sie nicht ihre Seelenfrieden findet. Auch ich habe dadurch einen Vorteil. Heute früh zeigt die Thermometer nur +1ºC. Wenn ich etwas warte, wird es schnell wärmer.
Der ersten 30 Kilometer, etwa bis Treuchtlingen, ist es wieder diese landwirtschaftliche Einerlei. Über das flache Gelände weht eine steife Brise. Ich weiß nicht, wie so etwas möglich ist, aber obwohl ich in den vergangenen Tagen in unterschiedlichen Himmelsrichtungen geradelt bin, der Wind kam mir immer entgegen.

Vor dem Dorf Aha

Dittenheim
Bubenheim
Unterhalb von Treuchtlingen schlängelt die Altmühl zwischen steilen Hängen eingezwängt in einem romantischen Tal. Turmartige Kalksteinfelsen schauen auf den vielen Motorradfahrer herunter, die heute die kurvenreiche Strasse für einen Sonntagsausflug nutzen. Zwischen den Felsen stehen Wacholdern auf den Wiesen wie grüne Kerzen. Radler können wählen, ob sie die Landstrasse, oder lieber den Radweg benutzen wollen. Beides ist möglich, beides hat seine Vor- und Nachteile. Die Strasse ist besser zu fahren und man kommt schneller voran, aber dort fließt der motorisierte Verkehr. Der Radweg ist vielleicht schöner, aber halt eine Staubpiste, unbefestigt.
Altmühltal nach Treuchtlingen
Altmühl-Radweg
Altmühltal
Apropos Staubpiste: Die Trockenheit ist nicht zu übersehen, und das schon auf die ganze Reise. Wenn Bauern die Felder pflügen, ziehen sie lange Staubwolken hinter sich her. Obwohl ich nur selten unbefestigte Wege benutzte, ist mein Rad, das Gepäck, meine Klamotten, ja ich selbst mit einer dicken grauen Staubschicht bedeckt.
Ich passiere den Ort Solnhofen, wo 1861 ein einzigartiger paläontologischer Fund zu Tage gefördert wurde. Es handelt sich um eine Versteinerung des Sauriers Archaeopterix, der Federkleid und Zähne hatte, und damit als der erste Vogel betrachtet werden kann. Seit dem ersten Fund sind in dem hiesigen schiefrigen Jurakalk neben zahlreichen sensationellen Versteinerungen von anderen Sauriern auch weitere Archaeopterixe entdeckt worden.
Solnhofen
Hier ist nicht der Fundort, nur der Weg dahin
Altmühltal
In Dollnstein mache ich eine Pause. Ich suche ein Lokal, wo ich eine Kleinigkeit essen möchte. Ich bestelle einen Wurstsalat für 5,60 €, und denke zu dem Preis wird es eine kleine Portion sein. Was mir die Wirtin dann vorsetzt, scheint eine dreifache Portion zu sein. Der große Essteller ist so voll gepackt, dass die Wurststreifen seitlich herunter rieseln.

Bei Dollnstein verlasse ich das Altmühltal und wechsle zum Donautal. Das ist natürlich wieder mit etwas Klettern verbunden. Von Dollstein bis Hütting wurde eine aufgelassene Bahntrasse zum Radweg ungebaut, eine sehr angenehme Einrichtung. Dann aber klettert die Landstrasse über den Bergrücken, der die zwei Flüsse trennt. Die Steigung liegt noch in dem für mich gerade noch machbaren Bereich.

In Neuburg an der Donau sind bei meiner Ankunft viele Touristen und Ausflügler unterwegs, aber es sind offensichtlich Tagesgäste, in dem „Gasthaus zur blauen Taube“ in der Altstadt bin ich der einzige Übernachtungsgast.
Neuburg an der Donau
Gasthaus zur blauen Traube in Neuburg an der Donau
Heute bin ich 80 Kilometer gefahren.