|
|
Die Anreise
|
|
Donnerstag, den 19.04.2007
Meine Frau Suzanne, mit der ich normalerweise meine Radtouren mache, ist zu ihrer Schwester nach Frankreich gefahren. Anstelle zu Hause die Daumen zu drehen will ich die Zeit für eine kurze Frühlingsrunde nutzen. Allerdings Frühling ist hier nicht die richtige Bezeichnung, da das Wetter sich in diesem Jahr recht eigenartig gestaltet. Winter und Schnee gab es keinen, und auch der April ist kein bisschen wechselhaft, sondern warm und trocken. Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt, dass es so bleibt. Was kann sich ein Radler anderes wünschen? Also los!
|
|
 |
|
Ich fahre am Nachmittag mit dem Zug von München nach Nürnberg, wo meine Kurzreise morgen ihren Anfang nehmen soll. Die Fahrt ist bequem und ohne Komplikationen. Diese Bahnstrecke wurde in der letzten Zeit modernisiert, was die Reise schneller, aber nicht unbedingt schöner gemacht hat. Die viele Schalschutzwände und die zahlreichen langen Tunnels beschränken die Sicht auf die schöne Landschaft.
Das Hotel Leonardo in Nürnberg ist eine gute Adresse, besonders wenn man das Zimmer im Internet zu den dortigen Sonderkonditionen (regulär 98 €, im Internet 38 €) bestellt.
|
|
Hotel Leonardo in Nürnberg
|
|
|
|
|
|
|
|
Die restliche Zeit des Tages nutze ich, um die Stadt wieder Mal flüchtig anzuschauen. Nürnberg ist die erste deutsche Stadt, die ich vor 44 Jahren kennen gelernt habe. Ich war hier als ungarischer Flüchtling in einem Sammellager im nahen Zirndorf, wo ich darauf wartete, dass mein Anliegen, Asyl in Deutschland zu bekommen, entschieden wurde. Viele Tage des Wartens habe ich damals in Nürnberg verbracht, wo ich die 12 Kilometer zu Fuß hin und 12 Kilometer zurück gelaufen bin, da ich für die Straßenbahn kein Geld hatte.
|
|
|
|
|
Stadtmauer, Spittlertor in Nürnberg
|
|
|
|
|
Marktplatz, Frauenkirche in Nürnberg
|
|
|
|
|
|
|
Schöner Brunnen, Nürnberg
|
|
Schöner Brunnen, Nürnberg
|
|
|
|
|
|
|
|
Pegnitz-Brücke, Heilig-Geist-Spital in Nürnberg
|
|
|
Merkwürdig: Obwohl ich damals als armer Schlucker mit unsicherer Existenz hier herumlief, hat mir die Stadt besser gefallen als jetzt. Damit will ich keinesfalls behaupten, dass Nürnberg unattraktiv wäre, im Gegenteil, die Stadt ist seit dem sicher schöner geworden. Ich kam aber aus einem in dieser Zeit besonders ärmlichen und grauen Land. Hier waren einige der Kirchen, Gebäude und Brunnen schon wieder aufgebaut, und so etwas wie den Schönen Brunnen oder die Sebalduskirche habe ich vorher noch nie gesehen.
|
|
|
|
|
Flussidyll in Nürnberg
|
|
|
Heute ist es anders. Heute sehe ich nicht nur das Schöne, sondern bedauere das Fehlen des Alten dazwischen. Nürnberg wurde, als Stadt der Parteitage, von den Alliierten besonders gründlich kaputt gehauen, und nach dem Krieg oft zu schnell in den tristen Baustil der 50-er wieder aufgebaut. Wenn ich allerdings in der Altstadt schlendere und die vielen sommerlich gekleideten, fröhlichen Menschen betrachte, dann bin ich sicher, dass in Nürnberg sich gut leben lässt und meine negativen Gedanken für sie heute unbedeutend sind.
|
|
|
|
|
|
|
|