San Rafael - Bodega Bay - San Rafael

Montag, den 28.02.2005

Suzanne und ihre Schwester machen heute Familienprogramm. Ich benutze das freundliche Wetter, die Gegend nördlich von San Francisco zu besuchen.


Verwaltungszentrum von San Rafael, entworfen von Frank Lloyd Wright

Ich fahre erst zum Verwaltungszentrum von San Rafael, das von dem berühmten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright gestaltet wurde. Es ist ein weitläufiges brückenähnliches Bauwerk mit einer zentralen Kuppel und mit einem nadelförmigen Turm. Es wundert mich, dass dieses sehr interessantes und atraktives Bauwerk in keinem meiner Reiseführer erwähnt wird.

Verwaltungszentrum von San Rafael
Weiter geht es nach Napa Valley, wo der berühmte Wein wächst. Das Tal mit einer breiten Sohle ist etwa 50 Kilometer lang und flächendeckend mit Reben bepflanzt. Die Stadt Napa selbst ist hübsch amerikanisch, mit geraden, breiten Straßen und alten, reich verzierten Holzhäusern. Auch hier zeigt sich, wie bei uns in Europa, dass Wein seine Menschen schon immer gut ernährt hat.
Napa
Napa
Napa Valley

In Calistoga verlasse ich das Tal und fahre nach Westen zur Küste. Es ist eine wunderbare, bewaldete grüne Hügellandschaft. Die verlassene Einsamkeit der schmalen Landstraße wird nur in Santa Rosa unterbrochen.

Bodega Bay

Durch die kleine Siedlung Bodega komme ich zur Bodega Bay. Hier hat Hitchcock 1963 den Film The Birds (Die Vögel) gedreht. Ich kenne diesen Film ziemlich gut und so suche ich nach den alten Bildern, aber ich finde sie nicht mehr.


Das Bucht ist mit einer Landzunge vom Ozean getrennt. Ich fahre auf der kleinen Strasse bis zum Ende dieser Halbinsel. Dort sind zweierlei Dinge zu sehen: Erstens eine großartige Steilküste, wogegen die hohen Wellen donnernd anrennen. Dieser Aussichtspunkt ist auch als Walbeobachtungsstelle bekannt. Obwohl die richtige Zeit ist, hier Wale zu sehen, sehe ich heute leider nur viele Möwen und Kormorane. Die zweite Besonderheit an dieser Stelle ist der Hole on the Head gennante Teich. Am Ende der 50er Jahre wollte man ausgerechnet hier, an dieser friedlichen und naturbelassenen Stelle, ein Atomkraftwerk bauen. Die wenigen Menschen, die hier leben, sind von Anfang an Sturm gegen das Projekt gelaufen, aber die Stimme des Volkes wurde von den Politikern nicht gehört, wie es überall auf der Welt üblich ist. Nachdem alles genehmigt und abgesegnet war, haben man mit den Bauarbeiten angefangen. Als erstes hat man ein tiefes rundes Loch wie einen Brunnen ausgehoben, etwa 50 Meter tief und 50 Meter breit, das man

ordentlich ausbetonierte. Dass hier heute doch kein Nuklearmonstrum steht, ist einem Gutachten von den Gegnern des Projektes zu verdanken. Es hat gezeigt, dass ausgerechnet hier unter dem geplanten Atomkraftwerk der berühmte tektonische Riss, der Sankt-Anreas-Graben, verläuft. Nun, danach wurde das Loch wieder zugeschüttet und Regenwasser hat in der Delle einen Teich gebildet, wo sich Vögel angesiedelt haben. So ist der Hole on the Head heute ein Naturschutzgebiet. Komisch, nicht wahr?




Für die Rückfahrt wähle ich die schmale und sehr kurvenreiche Küstenstrasse, die alte Highway Number 1, die an manchen Stelle so ausgesetzt verläuft, dass sogar ich, ziemlich rutinierter alter Knabe, ganz eigenartige Gedanken bekomme. Ein Wagen, der hier von der Fahrbahn abkommt, würde erst auf der steilen Böschung etwa 200 Meter hinunter kullern, um anschließend über eine Felsenklippe 50 Meter tief in die brodelnde Brandung zu stürzen.