Lone Pine - Death Valley

Sonntag, den 06.03.2005

Hinter dem Camping fängt das große Owens Lake, ein trockener Salzsee, an. Jetzt, nach soviel Regen, hat sich in der Mitte des Beckens ein wenig Wasser angesammelt, sonst
ist es eine weitläufige weiße Salzfläche. Die steife Morgenbriese wirbelt so viel Salz hoch, dass der See zu rauchen scheint.



Owens Lake

Die Straße nach Osten steigt weiter, erst kaum merkbar, später aber richtig. Die Hänge sind mit punktförmig wachsenden Wüstenbüschen bedeckt, wobei die einzelnen Pflanzen, wie künstlich gesetzt, voneinander etwa drei Meter Abstand halten. Dazwischen wächst gar nichts.

Coso Range

Nachdem wir die hohen Pässe des Argus Range überwunden haben, öffnet sich ein tiefes, weites Tal ... Nein, es ist noch nicht Death Valley, sondern ein ähnliches Trockental namens Panamint Valley. Auch hier ist die Talsohle mit weißem Salz bedeckt, der vom Wind zu Wolken aufgewirbelt wird.

Diese Landschaft kennt jeder von uns von Filmen und Bildern. Aber weder Film noch Bilder können vermitteln, wie atemberaubend diese Weite in Natura ist. Es ist nämlich so, dass der Weg nach Death Valley ziemlich einfach ist. Erst kommt eine Bergkette, dahinter ein Tal, dann eine zweite Bergkette, und dahinter ist man schon in Death Valley. Nur dass dieser Weg etwa 170 Kilometer lang ist, und von der ersten Bergkette sieht man schon, wie die Straße auf dem zweiten Berg sich hochwindet. Dazwischen liegen 40 Kilometer in Luftlinie.



Paramint Valley
Paramint Valley

Auch Death Valley ist von dieser überraschenden Weite und karger Schönheit. Die begrenzenden hohen Berge sind kahl, stark errodiert und farbig. Der Talboden, den man gar nicht überblicken kann, wird von Wüste oder salzigem Trockensee eingenommen.

Death Valley
Death Valley

Auch hier, wo es fast nie regnet, haben die vergangenen Tage so viel Regen gebracht, dass an manchen Stellen die Straßen mit Geröll bedeckt sind. Aus diesem Grund ist der Weg zu dem berühmten Zabriskie Point gesperrt. Auch anderswo sind die Schilder, die von Überschwemmung warnen, noch nicht weggeräumt.

Death Valley
In der Nähe von Furnace Creek, der sowas wie ein zentraler Ort in Death Valley ist, befindet sich eine große weiße Fläche aus Boraxsalz. Am Ende des 19. Jahrhunderts benötigte man noch Borax zur Herstellung von Seife. Eine Unternehmergruppe hat 1882 damit angefangen, dieser Rohstoff hier abzubauen. Der Aufwand war riesengroß, und die Arbeitsbedingungen unvorstellbar schwer. Chinesische Arbeiter haben das weiße Salz mit Holzrechen zusammengekratzt und in Depots gebracht. Das so gewonnene Salz hat man in riesige
Boraxsalz in Death Valley
Holzkarren verladen. Eine solche Kutsche wog 33 Tonnen und mußte von 20 (!) Mulis gezogen werden. So ging die Reise über Stock und Stein 165 Meilen weit bis nach Mojave, wo das Salz auf die Eisenbahn umgeladen wurde, die es nach San Francisco brachte. Die Arbeiter haben für diesen Wüstenplaggerei einen täglichen Lohn von 1,30 $ erhalten, wovon allerdings die Hälfte für Kost und Logis abgezogen wurde.

Nach sechs Jahren hat man anderswo Borax gefunden, das leichter zugänglich war, und so wurde der Betrieb in Death Valley eingestellt. In dem Wüstenklima hat sich manche der Gerätschaften und einige Reste der Gebäude bis heute erhalten.

Am Nachmittag machen wir eine kleine Radtour auf den Schotterpisten der Boraxfelder. Es beglückt mich, mit 66 Jahren in dem berühmten Death Valley zu radeln.

Death Valley

Death Valley ist warm, im Sommer sogar so heiß, dass die Autovermieter es untersagen, das Tal zwischen Mai und September zu befahren. Auch heute ist es schon 28° C. Die Luft ist extrem trocken und sauber. Dieses Klima ist der Grund dafür, dass viele Rentner den Winters hier in der Wüste verbringen. Von wegen "Tal des Todes"! Es ist doch eine verkehrte Welt, wenn diese lebensfeindliche Umgebung alten Menschen hilft, ihre Gesundheit zu erhalten. Die Wüste lebt! Am Nachmittag erleben wir hier auf der Landstrasse mehr Verkehr als auf der ganzen Strecke seit Monterey.

Camping in Death Valley
Abend in Death Valley

Das Camping ist ein riesiger Parkplatz, tausend schattenlose Stellplätze, jetzt nur zur Hälfte belegt. Als Service gibt es hier nur einige wenige Wasserhähne, sonst nichts. Aber die Camper sind autark, überall laufen die Stromaggregate und die Klimaanlagen. Die Wüste lebt nicht nur, sie lebt auch ziemlich laut. Später wird es allmählich stiller. Es wird angenehm kühl, und die Sterne brillieren am Himmel, wie ich es nur vom See her kenne.