Escalante - Natural Bridges National Monument

Samstag, den 12.03.2005

Ein schöner, sonniger, aber frostig kalter Morgen. Bevor wir weiterfahren, füllen wir in einem Dorfladen unsere Vorräte auf, dann tanken wir. Dabei machen uns zwei ankommende Lastwagenfahrer darauf aufmerksam, dass die Strecke, die noch vor uns liegt, verschneit ist. Wir müssen also vorsichtig fahren. Wie macht man das bloß mit fünf Tonnen auf Sommerreifen?



Vorerst aber setzt sich diese wunderbare Canyonlandschaft fort, die das Escalante River sich schuf. Was Canyons betrifft, ist hier die Konkurenz sehr groß: Dieser hier hat auf der Karte nicht einmal einen eigenen Namen, obwohl es nicht weniger großartig ist, als viele seiner berühmten Artgenossen. Die Schluchten und Wände aus roten Felsen bilden ein weitläufiges verwirrendes Labyrinth, in dem unsere Straße ihren Weg sucht. Dabei fahren wir mal unten, dann klettert der Weg in Kehren nach oben. An einer Stelle balanciert die Straße sogar an einem Grat entlang. Unmittelbar neben der Fahrbahn stürzt das Gelände sowohl links als auch rechts in die Tiefe. Ein verunsicherndes, ungewöhnliches Gefühl.





Escalante Canyon
Escalante Canyon

Nach Boulder - auch so ein Unort - ändert sich das Bild. Die felsigen Schluchten bleiben hinter uns, es kommen hohe, bewaldete Berge des Boulder Mountains. Hier wachsen dunkelgrüne Kiefer und eine weißstämmige Baumart, die ich noch nie gesehen habe. Es sind mit den Pappeln verwandte cottonwoods.

Je höher wir steigen, umso höher der Schnee. Wir kommen zur Stelle, von der uns die Lastwagenfahrer gewarnt haben, aber die Fahrbahn ist geräumt und trocken, die Warnungen waren glücklicherweise übertrieben.

Boulder Mountains
Boulder Mountains

Übrigens auch hier ist der Verkehr fast null, wir begegnen vielleicht in jeder halben Stunde einem anderen Fahrzeug.

Wir sehen am Straßenrand wiederholt Schilder, die für Straßen-Patenschaft werben. Die Paten sollen an dem ihnen zugewiesenen Straßenstück die Sauberkeit kontrollieren und den Müll einsammeln. Ich weiß nicht, ob alle Straßen, auf denen wir fuhren, schon einen Paten hatten, aber sie waren jedenfalls viel sauberer als bei uns in Europa. In Kalifornien behandelt man übrigens dieses Problem anders. Dort werden mit den Schildern nicht Paten gesucht, sondern für den Fall der Fälle 1000 $ Strafe angedroht. Auch das scheint zu funktionieren, auch dort sind die Straßen sauber gewesen.

Hinter dem Ort Torrey - eine Straßenkreuzung mit einigen Häusern und zwei Tankstellen - folgt das Tal des Fremont Rivers, wieder ein rotfelsiges Canyon, Teil des Capitol Reef National Park. Ich dachte, nach soviel roten Felsen werden wir irgendwann keinen mehr sehen wollen. Welch ein Irrtum! Es ist wieder mal ein Märchenland , wo die grünen Bäume am Flussufer, das Rot der Felswände und der tintenblaue Himmel wie ein Farbenfeuerwerk harmonieren. Es ist nicht überraschend, dass Indianer einige diese Wände kultisch verehrten und mit Felszeichnungen verzierten.

Capitol Reef National Park
Kultische Felszeichnung in Capitol Reef National Park

Capitol Reef National Park

Am Mittag besuchen wir ein Lokal in Hanksville. Das Dorf ist eine Indianersiedlung, ärmlich, etwas chaotisch, schmucklose Hütten, viele Pick-ups, von denen viele schon hätten verschrottet werden müssen. Auch das Lokal ist von Indianern geführt. Außer einfaches Essen werden - ähnlich, wie bei Tankstellengeschäften - viele nützliche und nutzlose Dinge angeboten, auch Kunsthandwerk, Silberschmuck. In dem Hauptsaison mag es ein florierendes Geschäft sein, jetzt fehlen die Kunden, nur einige wenige Stammgäste sitzen vor ihren Hamburgern.

Hanksville

Um Hanksville streckt sich das Land. Auf dem Hochplateau sind auch einige wenige Ackerfelder zu sehen. Dazwischen erheben sich kegelförmige Schotterhügel, so regelmäßig, als wenn sie künstlich aufgeschüttet wären.

Henry Mountains

Die Straße senkt sich in das Tal des Colorado Rivers. Es ist hier noch nicht das Grand Canyon, das dieser Fluss sich weiter unten - über 200 Kilometer von hier - grub. Der Graben nennt sich hier Cataract Canyon, und mir fehlen langsam die Wörter und Superlativen, mit deren Hilfe ich dieses Panorama auch nur andeutungsweise beschreiben könnte, das sich uns vom Rand des Tales bietet.

Cataract Canyon

Cataract Canyon

Wie überqueren den Fluss und nach weiteren 30 Meilen erreichen wir das Natural Bridges National Monument, wo wir in dem Camping einen Platz nehmen.

Camping in Natural Bridges National Monument
Das Naturschutzgebiet ist ein breites, mit Kiefern und Wacholderbäumen bewachsenes, steigendes Tal, in dessen Mitte das Regenwasser eine meandernde Schlucht gegraben hat. In späteren Jahrmillionen hat sich das Wasser an manchen Stellen Abkürzungen geschaffen, in dem es die querstehende Felsenbarriere durchbrach,
Natural Bridges National Monument

und so Felsbrücken baute. Heute führt ein 9-Meilen-Rundkurs an den schönsten Felsbrücken vorbei. Wir nehmen unsere Räder und fahren in das Tal hinunter und zurück, wobei die Höhenunterschiede einige hundert Meter betragen, was wiederum bei unseren Campingnachbarn, die den Weg natürlich mit ihren Autos befahren, anerkennende Bemerkungen auslöst.
















Natural Bridges National Monument
Suzanne in Natural Bridges National Monument