Grand Canyon City - Black Canyon City

Montag, den 14.03.2005

Wir trauen unseren Augen nicht! Es ist alles weiß, nachs hat es geschneit! Es sind zwar nur etwa 10 Centimeter, aber es ist unmenschlich kalt, das Thermometer zeigt minus 6oC. Wir sind in unserem Wagen noch gut dran, viele unserer Mitcamper haben aber nur kleine Zelte. Sie versuchen jetzt am Lagerfeuer Leben in die steifgefrorenen Knochen zu bringen.










Camping in Grand Canyon City

Es ist so weit: Wir fahren zum nächstgelegenem Aussichtspunkt, von wo aus ich zum ersten Mal in meinem Leben ins Grand Canyon hineinblicke.

Grand Canyon
Grand Canyon

Obwohl heute unter dem bleiern grauen Himmel die Farben gedämmt sind, und das Fehlen von Schatten die Räume einebnet, ist es trotzdem überwältigend, ja beängstigend. Man neigt dazu zu sagen, so etwas gibt es überhaupt nicht!

Grand Canyon

Wir fahren von einem Aussichtspunkt zum anderen und sind begeistert. Einerseits. Andererseits fängt es wieder an zu schneien. Wenn wir aus dem Wagen steigen, frieren wir erbärmlich. Die Schneestiefel und die wattierten Jacken haben wir nicht mitgebracht. Als dann uns jemand, der Wetterbericht hörte, uns mitteilt, dass für die nächsten zwei Tagen Schneestürme vorhergesagt wurden, kommen wir ins Grübeln. Was tun wir jetzt? Wir befinden uns hier auf einer Meereshöhe von 2400 Meter, es kann also in zwei Tagen uns total einschneien und dann sind wir mit unseren Sommerreifen in der Falle. Schon jetzt schlittern wir bei jeder Kurve und bei jedem Bremsen.

Nach kurzer Beratung ist uns klar: Wir mussen schleunigst weg von hier! Wir müssen hinunter auf einer Höhe, wo es nicht mehr schneit, sondern höchstens regnet.

Gut gedacht, aber in der Praxis könnte es schwierig sein. Auf den nächsten 120 Meilen in Richtung Süden bleibt die Höhe der Straße über 2000 Meter, erst danach sinkt sie nach unten. Es könnte also ein Wettrennen werden mit dem Wetter. Schaffen wir es zu entkommen, oder schafft es das Wetter, uns fest zu halten.

Wir fahren los. Der Schneefall wird tatsächlich immer dichter, es kommt ein stürmischer Wind auf. Als wir in Cameron tanken, schaffe ich es nicht, so lange draußen zu stehen, bis 120 Liter Spritt in den Tank fließt. Um nicht zu erfrieren, fülle ich ihn nur halb voll.

20 Meilen vor Flagstaff tobt der Schneesturm mit solcher Heftigkeit, dass ich höchstens nur noch eine Sichtweite von 30 Metern habe. Ich fange an, zu halluzinieren. Plötzlich sehe ich Tiere an der Fahrbahn, wo keine sind. Anhalten wage ich nicht, ich möchte hier nicht eingeschneit werden. So taste ich mich fast nur noch im Schritttempo voran. Dabei möchte ich erwähnen, dass das Interstate 89 eine gute Autobahn ist, wo die zuständigen Organe auf solches Wetter gut vorbereitet sind: Die Räumfahrzeuge sind emsig bei der Arbeit.

Dann kommen wir nach Flagstaff, und dort hat man nicht, aber überhaupt nichts gegen den Schnee unternommen. Dort liegt 15-20 Centimeter festgestampftes zerfurchtetes blankes Eis auf der Fahrbahn. Die Fahrzeuge tasten sich in drei Parallelspuren - wenn bloß Spuren da wären - im Schneckenschritt vorsichtig voran.

Ich bin ziemlich entnervt und bin dabei es aufzugeben, aber dann denke ich, wenn die Straße vor der Stadt geräumt war, wird es auch hinter der Stadt frei sein. Und es ist dann auch so. Etwa bei Verde Camp gibt es nur noch Regen, die Schneedecke ist weg, an den grünen Hängen neben der Straße stehen immer mehr Säulen von Saguaro-Kakteen. Wir haben es geschafft!

Nach Flagstaff

Camping in Black Canyon City

Als wir in Black Canyon City ein Camping finden, scheint sogar die Sonne. Wir richten uns bequem ein, und als wir damit ferig sind, bricht ein Sturm mit Regen und Wind los, dass ich ernsthaft befürchte, der Wagen könnte umkippen.

Es ist wahhrhaftig das Land der Extreme!