Phoenix - Saguaro National Park

Mittwoch, den 16.03.2005

Am Vormittag besuchen wir in der Stadt das Heard Museum. Es ist das berühmteste Museum über die Südwest-Indianer. Tatsächlich sehr informativ ist die Sammlung von allen Arten von Kunsthandwerk, also Keramik, Textil, Flechtarbeiten, Kachina-Puppen, die kultischen Handlungen dienten. Das alles ist von Thema her wenig belastet, leichter darstellbar.

Sehr bedrückend ist die Abteilung, die über eine dunkele Periode der US-Indianerpolitik berichtet. Nach den Indianerkriegen ist man um 1880 auf die Idee gekommen, dass es billiger wäre, die "Wilden" umzuerziehen als sie zu bekriegen. Indianerkinder, die man mit Hundefänger-Methoden eingesammelt hat, wurden fünf Jahre lang in militärisch organisierten Internaten eingesperrt und umerzogen.

Heard Museum, Phoenix

Diese schlimme Zeit wird hier sachlich, ja fast emotionslos dargestellt und mit vielen Fotos, vorher und nachher, und mit Zitaten und Dokumenten belegt. Zwar schauen die abgebildeten Kinder ohne Ausnahme todtraurig in die Kamera, aber trotzdem könnte man meinen, so schlimm kann es doch nicht gewesen sein. Vorher hatten die Kinder lange, fettige, ungekämmte Haare, keine Schuhe an den Füßen, die Kleider eher dreckige Fetzen. Nachher sind die junge Damen und Herren beschuht und frisiert. Was soll das also mit lächeln oder nicht lächeln?

Wenn ich mir aber vorstelle, dass unsere Enkelkinder, Miriam, Marlene oder Pedro von Fremden geraubt und umerzogen würden, damit auch sie brave Fremde werden, dann spüre ich den unbeschreiblichen Schmerz, höre ich die Schreie und sehe ich die Tränen. Ohne dies zu zeigen, ist diese Ausstellung unvollständig.

Heard Museum, Phoenix
Es gibt noch eine Abteilung, die offensichtlich großes Interesse weckt, aber mich etwas ratlos macht. Diese Abteilung heißt "We are ...". Es gibt etwa zwanzig verschiedene Stämme, die heute im Südwesten der USA siedeln. Denen wurde hier die Gelegenheit geboten, sich selbst in einem vorgegebenen Rahmen - praktisch in einem einzigen Schaukasten - kurz darzustellen. Also Beispielsweise "We are Hopi". Oben links ein Landschaftsfoto, oben rechts ein Bild von einem Mitglied dieses Stammes, in der Mitte eine Landkarte, daneben ein wenig Infotext, und schließlich einige Stücke von Kunsthandwerk. Und so sieht die Selbsdarstellung der Navajos aus: Foto von einem Canyon, daneben das Foto von zwei dicken Jeansträgern, etwas Blabla, und eine kleine Stickerei, wie aus der Waldorfschule. In den vergangenen Tagen sind wir eben durch dieses Navajogebiet gefahren und dabei sind bei mir viele Fragen aufgekommen, von denen mit dieser We-are-Austellung keine beantwortet wurde.

Wir verlassen Phoenix. Es dauert eine ganze Weile, bis der hektische Verkehr nachläßt, aber dann folgt ein wunderbares Land, eine Wüste, die diese Bezeichnung zwar zu Recht trägt, aber noch grüner ist als die nördlich von Phoenix. Viele verschiedene blühende Kakteenenarten, grüne Gräser und Blumen in Farben gelb, orange, rot. Hier ist es doch ganz anders, als ich es von Bildern kenne!

In Florence halten wir Mittagsrast. Es ist eine Kleinstadt wie aus einem Film, der in dem amerikanischen Provinz spielt. Wir essen eine Pizza, mehr ist hier nicht zu holen.

Florence


Einige Meilen weiter, nach Cactus Forest, steht an einem Rastplatz ein Denkmal, das die Stelle zeigt, wo Tom Mix, der legendäre Cowboy-Darsteller 1940 mit seinem Wagen tödlich verunglückte.


Tom Mix Denkmal
Camping in Saguaro National Park

Tucson durchfahren wir in den Berufsverkehr, aber irgendwann haben wir auch den hinter uns. Unser Ziel ist das Saguaro National Park, westlich der Stadt. Der Camping liegt mitten in einem Wüstengebiet, auch zwischen den Stellplätzen wachsen baumhohe Saguaro-Kakteen und meterhohe Fasskakteen, wie in einem Gewächshaus.

Kaum, dass wir den Wagen abstellen, schon geht die Sonne unter. Dabei fällt uns auf, dass die Zeit zwischen Hell und Dunkel viel kürzer ist, als wir es von Zuhause kennen.